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Schon die Anfahrt gestaltete sich interessant. Izmir liegt am Ende einer weiten Bucht und wenn man sich ihr mit der AIDADiva nähert, sieht man schon aus großer Entfernung eine Landzunge mit einem Hochhaus und einer überdimensionalen türkischen Fahne (Abb. 2) - vom Format eines zweigeschossigen Hauses - die im kräftig blasenden Wind wehte. Da muss es sein, denkt man unwillkürlich, aber sowohl der Hafen als auch das Stadtzentrum lagen dann noch gute 10 km weiter. Im Licht der aufgehenden Sonne sah man schon zahlreiche Fischerboote in der Bucht, hin und wieder kreuzte auch eine Fähre den Weg. Und dann legten wir an, auf der anderen Seite des Kais ein Costa-Schiff ähnlicher Größe und wir dann daneben.
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Nach dem Verlassen des Schiffes geht man durch die Passkontrolle, die sich darauf beschränkte, jedem Ausflügler einen weißen Pappstreifen mit einem Stempel in die Hand zu drücken. Was man damit sollte, wussten wahrscheinlich nur die, die in die Türkei schon mal mit dem Personalausweis eingereist sind, auf dem Schiff erhielt man hierzu keine Informationen. Des Rätsels Lösung: Wenn man wieder an Bord ging, wurde der Pappstreifen wieder eingesammelt. Er musste also aufgehoben werden. Im Hafenterminal gab es eine natürlich überlaufene Tourist-Information, einige Geschäfte und in der ersten Etage auch ein WC, das gerade umgebaut wurde. Vom Ausgang des Terminals gelangt man auf einen kleinen Platz, auf dem in dieser Reihenfolge drei Counter (Abb. 4) waren: einer für den Hop-on-Hop-off-Bus, einer für Kutschfahrten und einer für Taxifahrten.
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Nehmen wir mal an, Sie interessieren sich für die Bustouren. Dann steht schon vor dem Counter (Abb. 4) ein Mann, der mindestens 10 Sprachen spricht und versuchen wird, Sie für die Tour zu begeistern. Er beantwortet auch alle Fragen, beispielsweise dass die Tour 10 EUR kostet, dass alle halbe Stunde ein Bus (Abb. 5) kommt und die gesamte Tour etwa 90 Minuten dauert. Also mal schnell ein Ticket gekauft. Aber nicht für die nächste Tour, denn die war schon ausgebucht, sondern erst für die in 45 Minuten. Und da habe ich noch Glück gehabt, weil ich so schnell aus dem Schiff gestürmt bin. Aber leider war das Costa-Schiff schon eher da und nun wusste ich auch, warum so viele Italiener auf dem Platz herum standen. Die warteten nämlich auf die nächste Tour. Man kann die Strecke bei Gefallen auch dreimal fahren, wenn man will, allerdings muss man am Hafen immer erst mal aussteigen und den Leuten, die ein Ticket mit Uhrzeit haben, den Vortritt lassen. Die Busse waren eingeschossig und ohne Dach, da knallt die Sonne schön drauf. Dafür kann man sich zur Abkühlung aus einer Kühlbox Gratisbecher mit eiskaltem Wasser nehmen. Der Kommentar kam vom Band, besser gesagt, er sollte vom Band kommen, aber in unserem Bus war er mit Knackgeräuschen überlagert, die einem letztlich das Hören verleidet haben. Da ist mir dann gar nicht aufgefallen, dass er kurze Zeit später ganz ausgefallen ist. Da der Fahrer selbst nur ein wenig englisch konnte, war es das mit den Erläuterungen zur Stadt. Wie gut, dass ich mir am Busschalter eine sehr gute Karte der Tour (Abb. 6) mit einigen Erläuterungen auf Deutsch geholt habe. Die kann ich auch jedem empfehlen, der die Stadt ohne Tourbus besichtigen will. Es ging zunächst an der Uferpromenade entlang. Aber dank des Kopfsteinpflasters und des ständigen Stop and Go konnte man trotz offener Plattform keine vernünftigen Fotos aus dem Bus schießen. Schade. Wer steigt schon an jeder Station aus und wartet dann auf den nächsten Bus. Zumal die Stationen nicht wirklich erkennbar gekennzeichnet sind. Lediglich an der Agora (Abb. 12), also dem Marktplatz des antiken Smyrna hält der Bus für türkische 5 Minuten. Man kann hier aussteigen und von außen ein paar Bilder der antiken Ruinen schießen, wenn man will und nach zehn Minuten geht es dann weiter. Die gesamte Stadt machte einen sauberen modernen Eindruck, war also keinesfalls eine Enttäuschung, und nach der Agora erreichte der Bus seinen südlichsten und auch höchsten Punkt. Wir befanden uns nun schon in der Nähe der Burgruine (Abb. 13) und blickten herab auf die Stadt (Abb. 14, Abb. 15), die AIDADIva versteckte sich leider hinter einem Hochhaus, aber egal, bis zur Burg (Kadifekale) musste man nicht mehr hochlaufen, zumal der Tourbus an dieser Stelle keine Haltestelle hatte. Auch der Burgberg wird übrigens von einer überdimensionierten Nationalfahne geziert. Dann ging es über einige Schleifen wieder runter zur Küste und kurz hinter dem Uhrenturm sind wir dann ausgestiegen und haben den Bus nie wieder betreten. Eine eher teure Tour.
Natürlich hätten wir auch eine Kutsche vom Hafen nehmen können, kostet 30 EUR, allerdings für die gesamte Kutsche. Kaum ist die allerdings abgefahren, werden Sie niemanden mehr finden, der deutsch oder englisch kann, die Kutscher können es in der Regel nicht. Und dann holpern Sie über das Kopfsteinpflaster und lernen Respekt vor dem türkischen Straßenverkehr zu haben, denn auch wenn eine Ampel mal rot wird, bummelt die Kutsche mit unverminderter Langsamkeit weiter. Ich will keinen davon abhalten, sich in ein solches Abenteuer zu stürzen, aber für uns kam das nicht in Betracht.
Die Taxifahrer würden Ihnen am liebsten eine Taxifahrt nach Ephesus verkaufen, die sich preislich ab 3 Personen wohl auch lohnen würde, aber wir wollten es ja nicht. Es gibt aber auch dreistündige Stadtrundfahrten und wenn Sie Pech haben, gibt es sogar eine Zugabe in Form einer Führung durch den Bazar, wenn nämlich der Bruder, Schwager oder Kumpel dort ein Geschäft hat. Und diese zusätzliche Zeit stellt er Ihnen auch noch in Rechnung. OK, es muss nicht so kommen, ist aber auch nicht ausgeschlossen.
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Und was empfehle ich nun? Wenn Sie noch halbwegs gut zu Fuß sind, gehen Sie, ausgerüstet mit einem Stadtplan der Hop-on-Hop-off-Busse (Abb. 6), zunächst die Küstenstraße entlang. Die Anlage dort hat breite Wege, ist großzügig gestaltet, es gibt für Fahrradfahrer einen Radweg und für Jogger sogar eine federnde Tartanbahn. Ab und an trifft man auf mehr oder weniger patriotische Denkmäler, z.B. am Gündogdu-Platz (Abb. 7, Abb. 8) oder am Cumhuriyet-Platz. Wenn es nicht gerade 40 Grad ist, kann man hier wunderbar spazieren gehen. Im weiteren Verlauf der Uferpromenade häufen sich auch die Restaurants (Abb. 11), wer etwas essen oder trinken möchte, hat auf beiden Seiten der Straße die Gelegenheit dazu. Kleinere Einkaufszentren am Pier verführen vielleicht zum Bummeln, und wenn nicht, kommt man irgendwann zum historischen Uhrenturm (Abb. 17), dem Wahrzeichen der Stadt. Gleich daneben steht die kleine Konak-Moschee (Abb. 19), die wie eine Spielzeugmoschee wirkt. Der Uhrenturm ist 25 Meter hoch und wurde 1901 errichtet. Die Uhr (Abb. 18) selber ist ein Geschenk des deutschen Kaisers, echte deutsche Wertarbeit noch, denn nie blieb die Uhr bisher stehen. Die Aussichtsplattform des Turms ist nicht zugänglich. Der Konak-Platz, auf dem wir uns befinden, ist von modernen Bürogebäuden umgeben und wird von Taubenheeren (Abb. 20) belagert. Auch einen kleinen Kakteenkarten gibt es hier. Wenn man jetzt die Küste noch etwa einen Kilometer weiter geht, sieht man den Fahrstuhl (Abb. 21), auf türkisch Asansör, bereits. Er steht nicht in der ersten Reihe der Gebäude, aber wenn man weiß, wie er aussieht, ist er nicht zu übersehen. Komischerweise ist er nicht in das Streckennetz der Hop-on-Hop-off-Busse integriert, wohl aber fahren die AIDA-Ausflugsbusse und Radtouren dort hin. Wenn man also nach Sicht geht, findet man ihn auch ohne Stadtplan. Und dann einfach reingehen und hochfahren. Der Fahrstuhl (Abb. 22, Abb. 23, Abb. 24) wurde 1907 gebaut, um der Bevölkerung zahlreiche Treppenstufen zu ersparen. Oben gibt es dann ein Cafe und vor allen Dingen eine prima Aussicht über die Stadt.
Die billigste Möglichkeit, zurück zum Schiff zu gelangen und nicht zu laufen ist die moderne U-Bahn. Dazu geht man zur Haltestelle Üzyol, die gar nicht weit weg ist, allerdings über den Berg. Die Türken haben die kleineren Straßen möglicherweise mangels als Namensgeber geeigneter Kandidaten einfach durchnummeriert. Man geht also über die Straße 308 nach Süden und dann nach links in die Sükrü Saracoglu-Straße bis zur U-Bahn-Station, kauft am Schalter dort eine Kentkarte - das Prinzip habe ich in meinem Reisebericht über Antalya schon beschrieben - und fährt mit den modernen Zügen bis nach Halkapinar. Hier steigt man um in die Iz-Bahn nach Alsancak und fährt die eine Station. Das Ticket gilt 90 Minuten lang und in dieser Zeit kann man die Verkehrsmittel wechseln wie man will. Von der Endhaltestelle Alsancak ist es dann nicht mehr weit bis zum Schiff.
Izmir ist eine moderne und saubere Stadt, in der immerhin 3 Millionen Menschen leben, die sich aber auf weitaus engerem Raum drängen als man das von deutschen Städten her kennt. Die Stadt hat einen besseren Eindruck hinterlassen als ich erwartet habe: Übel Izmir nicht geworden!
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Reisezeitraum: September 2011
Bereits erschienen: