
Ja, man kann mit dem Esel auf die Hauptinsel hochreiten, aber wenn Sie keinen Esel mögen - als Reittier natürlich - gibt es auch die Möglichkeit, mit der Seilbahn nach oben zu fahren, oder hinter den Eseln her zu laufen, oder aber einen AIDA-Ausflug zu buchen. Die AIDA-Scouts erzählen bei der Vorstellung ihrer Ausflüge denn auch alle möglichen Schauergeschichten. Dass die Esel ihre vorzugsweise schwergewichtigen amerikanischen Reiter schon mal gerne an der Wand entlang schrappen lassen, was dann zu schönen Schürfwunden führt - als ob ein Esel wüsste, ob gerade ein Amerikaner oder jemand anders oben drauf sitzt. Der Scout wollte wohl nur nicht über schwergewichtige Deutsche reden - er könnte es sich ja mit irgendeinem an Bord verscherzen. Tatsächlich aber ist das Reiten auf dem Esel nicht so ganz ohne, ich kann mich an einen Reisebericht erinnern, wo sich jemand beim Absteigen einen Fuß gebrochen hatte. Dann doch lieber mit der Seilbahn fahren. Die kostet 4 EUR je Fahrt und Person und ist somit etwas billiger als so ein Esel und deutlich sicherer. Das Problem ist nur: Sie sind nicht der einzige, der damit hoch will. Und je mehr Schiffe bereits in der Bucht parken, desto voller wird es. Die Kapazität der Bahn beträgt ungefähr 800 Personen je Richtung und Stunde, ein bißchen davon abhängig, wie schnell ein- und ausgestiegen wird und die Kapazität der AIDADiva betrug ungefähr 2000 Personen. Und dann kommen ja noch die Ausflügler der anderen Schiffe hinzu. Und da schielt mancher vielleicht doch wieder auf den Esel. Nur zu Fuß da hoch gehen, das machen nur wenige. Erst riecht man unter praller Sonne die Hinterlassenschaften der Esel und oben stellt man dann fest, dass man selber nicht mehr viel anders riecht. Jetzt mal eben eine Dusche nehmen und das verschwitzte T-Shirt austauschen, das geht halt nicht.
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Viele sind dann doch auf Nummer sicher gegangen und haben einen Ausflug über AIDA gebucht. Dann wird man nämlich an einer anderen Stelle abgesetzt, der einzigen, wo auf der Innenseite des Kraters eine befahrbare Straße bis zum Meer führt. Denn in Santorin legt das Schiff nicht an einem Pier an, sondern verharrt in einer Parkposition unterhalb der Stadt Thira, dem Hauptort der Insel. Nun kommen in schneller Folge einheimische Tenderboote zur Ausstiegsluke. Die AIDA-eigenen dürfen hier nicht zum Einsatz kommen, das Geschäft will man sich dann doch nicht nehmen lassen. Schließlich ist der Tourismus ja so ziemlich die einzige Einkommensquelle auf der Insel, mal abgesehen davon, dass sich an einigen Stellen der Insel ein paar Weinreben auf dem Boden kringeln. Im Wechsel werden nun Ausflügler entweder zur Anlegestelle von Thira oder zum Hafen von Athinos gebracht, je nachdem, ob man individuell oder organisiert die Insel besucht. Die Überfahrt dauert 5 bis 10 Minuten und es kann schon mal etwas schaukeln, deshalb während der Fahrt bloß sitzenbleiben. Das war denn auch die größte Sorge des begleitenden AIDA-Scouts. Wer nach Athinos rüber fuhr, passierte einen Bereich, der mit einer Ölsperre (Abb. 2) gesichert war. Natürlich wurde kein Wort darüber verloren und es hat auch niemand gefragt, aber hier ist vor 4 Jahren das Kreuzfahrtschiff Sea Diamond untergegangen, nachdem es bedingt durch einen Seekartenfehler auf ein Riff aufgelaufen war. Glücklicherweise waren die meisten Menschen bereits an Land oder konnten sich rechtzeitig retten. Hatte man erst einmal den Hafen erreicht, durfte man in einen Bus einsteigen, der dann die Serpentinen zum Kraterrand hochfuhr und die meisten Ausflügler wohl zunächst nach Oia brachte. Und das ist keine schlechte Wahl, denn auch wer mit der Seilbahn, einem Esel oder zu Fuß hochgelangt war, sollte sich auf den Weg dorthin machen. Sicherlich, Thira ist bereits schön, aber Oia noch deutlich schöner. Als Transportmittel standen Linienbusse, Quads oder Taxis bereit, nur Esel gab es diesmal nicht.
Oia - ausgesprochen wird es Ia - erstreckt sich entlang des nördlichen Horns der Hauptinsel und hat nur rund 1000 Einwohner. Bei der Größe kann man Übersichtlichkeit unterstellen, tatsächlich aber ist es ein unüberschaubares Labyrinth von Treppen, Fußwegen und wieder Treppen. Dass man sich trotzdem nicht verläuft, ist dem Hauptweg zu verdanken, der immerzu geradeaus durch das Dorf führt. Kurz vor dem Ortsende gabelt er sich dann, die linke Seite führt zu einem alten Fort, die rechte zu den Windmühlen (Abb. 14, Abb. 15). Wobei man links über Treppen natürlich auch zu den Windmühlen gelangt. So ist Oia halt. Bevor man jedoch diese Gabelung erreicht, sollte man von dem Hauptweg unmittelbar nach der Kirche nach links abbiegen. Denn von da hat man die Aussicht (Abb. 7) schlechthin auf das Städtchen. Leider hat sich das schon rumgesprochen, denn die Fotografen prügeln sich beinahe um günstige Standpunkte. Vielleicht zahlt es sich jetzt doch aus, wenn man nach dem Hochwandern über den Eselsweg die Kleider nicht austauschen konnte ... Danach wieder auf den Hauptweg zurück. Schon bei nur zwei Kreuzfahrtschiffen ist der völlig überfüllt (Abb. 5). Erschwerend kam hinzu, dass dieser von Akkustikterroristen blockiert wurde. Es fand wohl ein Musikfestival mit historischen Musikinstrumenten statt. Selbst das Fernsehen war dabei. Da wurde dann so eine Art Dudelsack gespielt, vermutlich aus einem Eselsmagen. Und so klang es dann auch: Wie ein sich übergebender Esel, der aus dem letzten Loch pfeift. Mir unverständlich, dass die Leute da nicht weggelaufen sind. Es war wohl nicht genug Platz dafür. Viele Leute kommen übrigens nach Oia, um dort den Sonnenuntergang zu erleben. Den konnten die AIDA-Reisenden auch sehen, aber nicht in Oia. Um 19:00 Uhr war Abfahrt, aber da der letzte Tender bereits um 18:15 Uhr verkehrte, ging es um 18:30 Uhr schon los zum nächsten Ziel.
Nach Oia schaut man sich dann Thira (Abb. 17) an. Ebenfalls sehr schön, wenn es auch nicht ganz an Oia heranreicht. Hier gibt es jede Menge Schmuckläden (Abb. 22) - was für ein Pech, dass die Kreditkarte an Bord geblieben ist. Überhaupt hat mich geärgert, dass in den Schaufenstern die Ware nicht ausgezeichnet ist. So unterbindet man jedweden Vergleich und damit dann auch unseren Einkauf. Auch hier gibt es jede Menge Fotospots, schlechte Fotos kann man hier eigentlich gar nicht machen. Und wem nicht nach Fotografieren ist, der kann sich in einer der zahlreichen Restaurants und Tavernen ein Glas Wein oder ein kühles Bier mit Blick auf die in der Bucht verharrenden Schiffe (Abb. 23, Abb. 24) gönnen. Und zum Abschluss das besondere Vergnügen: das Anstehen an der Seilbahn (Abb. 25). Wenn die Schlange (Abb. 27) durch das halbe Dorf geht, dann geht es noch, ist sie noch länger, hat man zwei Möglichkeiten. Entweder mal an der Schlange vorbeigehen, so tun als ob man durchzählt und dann unüberhörbar so Bemerkungen verlieren lassen wie 'Ab hier noch 2 Stunden!', vielleicht animiert man so den einen oder anderen, doch den Eselsweg (Abb. 31) zu nehmen oder aber man entschließt sich selber gleich für diese Alternative. Das dauert ungefähr 20 Minuten, ist nicht wirklich schwierig, wenn man für Kopfsteinpflaster geeignetes Schuhwerk an hat und nachmittags sind die meisten der Hinterlassenschaften der Esel schon getrocknet, also nicht mehr ganz so geruchsintensiv. Immer dran denken: Es ist noch keiner erstunken! Dann am besten hinter einer Gruppe Esel her gehen - wenigstens 10 Meter Abstand halten (Abb. 30) - ein Zuwachs der Hinterlassenschaften ist immer möglich. So kann man sicher sein, dass man nicht zwischen auf- und absteigende Eselgruppen (Abb. 29) gerät. Denn dann wird es wirklich eng. Die Esel wissen, dass sie stärker sind, und rennen stur weiter, egal was ihnen in den Weg kommt. Also ist ausweichen angesagt. Dass darauf das Sprichwort: 'Der Klügere gibt nach' beruht, ist übrigens nicht belegt. Ach ja, und in den Kurven laufen die Esel immer außen. Es versteht sich von selbst, dass der Eselsweg bei Regen Tabu ist, nicht wahr? Dann weicht der ganze Dung auf - und der ist überall. Obwohl, dann kann man ja immer noch runter reiten ...
Stellt sich noch die Frage, ob man denn die eigene Last einem Esel (Abb. 28) zumuten kann - so aus Gründen des Tierschutzes. Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden und in die Erwägungen auch das eigene Gewicht mit einfließen lassen. Bergab geht es vielleicht etwas leichter als aufwärts. Die Tiere an sich machten auf mich Laien jetzt keinen ungepflegten Eindruck, aber freudestrahlend waren sie eigentlich auch nicht bei der Arbeit, das Lachen erscheint mir ohnehin den menschlichen Eseln vorbehalten zu bleiben. Und überhaupt, eigentlich sind die Esel ja auch keine Esel, sondern mehrheitlich Maultiere. Maultiere sind eine Kreuzung aus Pferd und Esel: Papa Esel, Mama Pferd - die umgekehrte Kombination gibt es auch, die heißt dann Maulesel. Die Maultiere werden deutlich größer als Esel und können deshalb auch mehr tragen, 150 kg sind allemal drin. Und das unterscheidet sie dann auch von den Mauleseln. Außerdem sind sie nicht alle grau. Allerdings sind sie unfruchtbar, dass heißt, Mama und Papa müssen immer wieder ran. Ich weiß nicht, was man einem Esel ins Essen mischen muss, damit der sich so ganz freiwillig an so ein Pferd ran macht, aber eigentlich ist es mir auch egal. Unabhängig davon, ob man die Arbeit nun als Tierquälerei ansieht oder nicht, muss man sich darüber im Klaren sein, das die Tiere für die Eigentümer Wirtschaftsobjekte sind, in die nur investiert wird, wenn sie eine entsprechende Rendite abwerfen. Mit einem Boykott tut man den jetzigen Tieren also keinen Gefallen. Bleibt abschließend noch die Frage offen, wenn denn schon die Arbeit kein Quell der Freude für die Tiere ist, ob sie denn wenigstens im Privatleben Spaß haben können? Und ja, auch wenn sie fortpflanzungsunfähig sind, können Maultiere dennoch Sex miteinander haben.
Übrigens, hatte ich es schon erwähnt? Ich bin den Eselsweg runter gegangen. Und weil ich doch tatsächlich noch über ein paar Gehirnzellen mehr als so ein Esel verfüge, habe ich auch nicht auf den Weg geschissen.
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Reisezeitraum: Oktober 2011
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