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Zypern mit dem Quad erobern

So ein Quad muss man sich vorstellen als einen großen Rasenmäher, nur halt ohne Mäher. Und auch ohne Rasen. Und darauf soll man Abenteuer erleben können? Hier sollte man die Erwartungen mal besser nicht zu hoch schrauben, aber je schlechter die Straße und je weiter man den Gashebel durchdrückt, desto abenteuerlicher wird die Fahrt. Und selbst, wenn der Adrenalinspiegel nicht in höchste Höhen getrieben wird, Spaß macht es auf jeden Fall. Und wem der Nervenkitzel noch nicht reicht, der kann ja den Wasserfall runter springen, zu dem es ging. Und was kostet das Abenteuer? Knapp kalkulierte 99,95 EUR wollte AIDA für den Ausflug 'Abenteuer auf dem Quad' haben, ein echtes Schnäppchen, zumindest für AC.

Die Quadtour steht in Zypern auf dem Programm. Ursprünglich sollte es ja nach Ägypten gehen, aber statt nun auf einem Kamel um die Pyramiden zu reiten fahren wir halt auf einem Quad durch Zypern. Und damit waren auf Seiten Zyperns schon mal zwei Vorteile: Die Tour war immer noch billiger als die Fahrt zu den Pyramiden und in ganz Zypern gibt es keine Papyrusfabrik! Nur die Ausflugskarten waren, obwohl im Voraus gebucht, nicht auf der Kabine. Die durfte man sich abholen. Und dabei gleich mal den Führerschein vorzeigen. Und unterschreiben, dass man drauf hingewiesen wurde, dass in Zypern Linksverkehr ist. Aha und wie ist das dann an unbeschilderten Kreuzungen? Links vor Rechts? Rechts vor Links?

Dann legt die AIDADiva im Hafen von Limassol an und kurz nach der Ankunft geht es los. Man trifft sich gleich am Ausgang an Deck 3, wie praktisch, dass die Gruppe so klein ist. Tatsächlich gibt es noch eine zweite, die am Nachmittag dran ist. In einem Kleinbus werden wir zunächst aus dem übersichtlichen Hafengelände gefahren und dann nach links in die Omonoias Straße Richtung Autobahn abbiegen. Unmittelbar nach dem Hafentor sieht man schon eine Endhaltestelle der öffentlichen Busse, wer also in die Stadt will, kann von hier auch die günstigen öffentlichen Busse nehmen. Wir aber fahren weiter zur A6 und dann geht es über die Autobahn Richtung Westen, immer im Abstand von einigen Kilometern zur Küste. Das Land ist hügelig und jetzt im Spätsommer weitestgehend ausgedörrt, ab und an wird ein Tunnel durchquert. Der Fahrer drückte ordentlich auf die Tube, so dass die Frage, ob Anschnallen oder nicht, im Bus durchaus kontrovers diskutiert wurde. Erläuterungen irgendwelcher Art gab es während der Fahrt nicht, dies wurde aber auch schon vorher so angekündigt. So nutzte man die Zeit halt für ein bißchen Smalltalk. Während der Fahrt beschloss die Sonne, auch heute mal wieder ihr Bestes zu geben, Wolken hatten keine Chance. Vorerst wenigstens. Nach 65 km erreichte man dann Paphos und von dort ging es noch ein paar Kilometer über Nebenstraßen nach Kissonerga, wo wir dann in einer unscheinbaren Gegend zum Quadcenter kamen.

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Kein besonders schmuckes Gebäude war es, aber egal, wir blieben ja nicht hier. Die Quads waren schon in Dreier-Reihen aufgebaut. Aber zunächst musste mal die Kopfbedeckung gewechselt werden. Statt Baseball-Kappe war ein Motorradhelm angesagt. Und weil keiner seinen eigenen dabei hatte, musste es ein Leihhelm sein. Zunächst kriegte jeder mal ein Papier-Käppie, der Hygiene wegen, und als ich den Helm nach der Tour wieder absetzte, hatte sich das Käppie in tausend Teile aufgelöst und alles war vollgeschwitzt. Diese Maßnahme hat also schon mal nicht gezogen. Aber zunächst mal einen passenden Helm finden, die Farbe war mir ja egal. Aber der eine war zu eng und der zweite war zu eng und der dritte ebenfalls, schließlich trieb man noch einen blauen ohne Integral auf. Nun ja, also mal etwas besser aufpassen als die anderen und bei einem Überschlag elegant abrollen - wäre ja nicht zum ersten Mal, dass etwas in diese Richtung passiert. Danach konnte es noch lange nicht los gehen, stand doch jetzt erstmal der Papierkram auf dem Programm. Jeder konnte sich auf ein Quad (Abb. 1) seiner Wahl setzen, wo dann schon ein Brettchen mit den Vertragsbedingungen lag. Alles natürlich in englisch. Der mitgereiste AIDA-Scout bemühte sich zwar, ein wenig zu übersetzen, aber über das Bemühen ging es leider nicht hinaus. Also wurde jetzt Name und Führerscheinnummer eingetragen, unten unterschrieben und schon hatte man den Teppich bestellt - Lieferung bei Rückkehr nach Limassol frei Kabine. Nein, kleiner Scherz, einen Teppich gab es nicht, was aber unterschrieben wurde, hat wohl kaum einer weder gelesen noch verstanden. Ich habe immerhin mal ein Foto davon gemacht für den Fall des Falles, da es ja auch keine Kopie für uns gab, und somit kann ich jetzt die wesentlichen Vertragsbestimmungen wiedergeben und das sogar in deutsch, natürlich ohne Gewähr:

Lieber Gast,
wir wollen Sie darauf hinweisen, dass Quadfahren als Hochrisiko-Aktivität gilt. Mit Ihrer Teilnahme akzeptieren Sie, dies auf eigenes Risiko zu tun. Wir empfehlen Ihnen, Ihren individuellen Versicherungsschutz zu prüfen, damit Sie angemessen für diese Tour versichert sind.
Bedingungen:
1. Der Verzicht auf Schadensersatz für Schäden am Fahrzeug umschließt nur das eigene Fahrzeug.
2. Alle Fahrzeuge sind gemäß den gesetzlichen Bedingungen in Zypern versichert.
3. Der Mieter wird das Fahrzeug nur fahren, wenn er die gesetzlichen Voraussetzungen Zyperns dafür erfüllt.
4. Der Mieter wird sorgsam unter Beachtung der hier geltenden Verkehrsregeln fahren.
5. Der Mieter wird das Fahrzeug immer selber fahren und keiner weiteren Person erlauben, ohne vorheriges schriftliches Einverständnis des Eigentümers das Fahrzeug zu fahren.
6. Der Mieter wird das Fahrzeug in dem gleichen Zustand zurückgeben ausgenommen natürlicher Verschleiß und Abnutzung.
7. Der Mieter wird im Falle eines Unfalls oder einer Beschädigung das Fahrzeug nicht reparieren oder es von einer anderen Person reparieren lassen ohne das Einverständnis des Eigentümers.
8. Der Mieter ist verpflichtet, dem Eigentümer den Schaden im Falle eines Diebstahls zu ersetzen.
9. Im Falle eines Unfalls, einer Kollision oder eines sonstigen Schadens, der dem Mieter, einem Angehörigen oder Angestellten entsteht, wird der Eigentümer keine Verantwortung für Fahrlässigkeit tragen, der Mieter übernimmt dies.
10. Im Falle eines Unfalls oder einer Kollision oder sonstigen Schadens oder Verletzung begrenzt der Versicherungsschutz die Höhe der Ansprüche gegen den Eigentümer.
11. Für den Fall, dass der Kunde das Motorrad nicht abschließt, hat der Eigentümer das Recht, das Motorrad ohne Kompensationsleistungen einzuziehen.

Dann kommt fett gedruckt nochmal die Kenntnisnahme, dass alles gelesen wurde und dass das Quadfahren auf eigenes Risiko erfolgt und das wird dann unterschrieben.

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Dann ging es immer noch nicht los, denn nun folgte eine Einweisung in die Bedienung der Quads. Die meisten Ausflugsteilnehmer hatten nämlich noch nie auf so einem Teil gesessen, da sind ein paar Informationen vorab schon mal nicht schlecht. Und die kamen dann auch in englisch. Das allein macht es schon schwierig, alles zu verstehen, aber da bereits alle Quads gestartet waren, überlagerte der Lärm auch noch die unverständlichen Erklärungen, zumindest auf den hinteren Plätzen. Also das Wichtigste mal in Kürze. Jeder bekam sein eigenes Quad. Da die Dinger schon gestartet waren, hatte der Anlasser erst mal nur eine untergeordnete Rolle. Er befand sich in der Mitte des Lenkrades. Wie beim Fahrrad gab es zwei Handbremsen (Abb. 3), praktischerweise auf jeder Seite eine, dazu auf der rechten Fußstütze auch noch eine Fußbremse (Abb. 4). Am besten immer alle drei benutzen. Drückt man die linke Handbremse einmal kurz, löst sich eine Sperre (so ähnlich wie die Sperre bei einem Zapfhahn an einer Tanksäule) und man kann losfahren. An der rechten Hand ist ein Gashebel, einfach leicht drücken, das Gefühl dafür bekommt man schnell. Eine Gangschaltung gibt es nicht, man konnte nur vorwärts oder rückwärts einstellen, aber rückwärts muss man eigentlich nicht fahren während der Tour. So, und nun gehts los. Immer das Lenkrad mit beiden Händen kraftvoll festhalten, also nie einhändig fahren und auch nicht überholen. Und nie mit den Füssen auf dem Boden abstützen. Vier Begleiter, allesamt zypriotische Jungadonisse fahren mit und sichern die Passage von Kreuzungen, geben Tipps in englisch und fragen, ob alles in Ordnung ist. Die Quads waren teilweise in erbärmlichen Zustand (Abb. 2), zum Teil waren die Rückspiegel abgebrochen (Abb. 5), wahrscheinlich Folgen vorhergehender Stürze, und wenn sie nicht abgebrochen waren, waren sie blind. Die Versicherungskennzeichen waren auch nicht mehr überall vorhanden, aber auf der Strecke interessierte das wohl niemanden. Denn die Teile fuhren, die meisten wenigstens. Wenn doch mal eines ausfiel, wurden die einfach in die Landschaft geschoben und hinter einem Baum geparkt. So eine Insel hat doch schon ein paar Vorteile. Da kann man nicht einfach ein Auto klauen und mal eben nach Polen damit fahren.

Die Kolonne setzte sich also in Gang, ganz langsam und zunächst über asphaltierte Nebenstraßen. Und dann über staubige Schotterstraßen. Die Straße sah schon ziemlich schlecht aus, aber das täuschte scheinbar. Stand da doch auf einem Schild tatsächlich: This road is good for all cars - Diese Straße ist für alle Autos geeignet. Mit meinem Auto würde ich da jedenfalls nicht lang fahren wollen. Irgendwann kamen wir dann an einen Parkplatz. Der Helm zwickte inzwischen doch ganz schön und ich war froh, dass ich ihn mal absetzen konnte. Wir hatten jetzt den Adonis-wasserfall erreicht, benannt nach einem hübschen Jüngling der griechischen Sagenwelt. Aphrodite stammt ja aus Zypern und hatte ein Techtelmechtel mit diesem Jüngling, irgendwo in der Gegend gibt es auch noch einen Aphrodite-Teich. Ein Künstler hat hier nun in einer Hütte für viele Jahre Skulpturen aus weißem Marmor geschaffen, die standen nun überall auf dem Gelände herum. Die Hütte selber ist jetzt ein kleines Museum, der Eintritt für Museum und Wasserfall beträgt stolze 8 EUR. Pro Person, nicht pro Bus! Selbst wenn man berücksichtigt, dass Wasser knapp ist in Zypern, ist der von ihm ausgehende Reiz doch nicht annähernd so groß, dass dieser Preis gerechtfertigt wäre. Zum Vergleich: Die Niagara-Fälle kann man umsonst anschauen. Natürlich war der Preis in den Ausflugskosten bereits enthalten - so entstehen dann die hohen AIDA-Ausflugspreise.

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Wir wurden zunächst über das Gelände geführt. Da der Wasserfall über zwei Kaskaden die Felsen herab stürzte, ging es zunächst nach oben, vorbei an diversen Statuen, die dann zum Spaß von einem der Reiseleiter mit Sonnenbrille und Zigarette dekoriert wurden. Eine Figur fiel dann deutlich erotischer aus und kann nicht mehr als jugendfrei bezeichnet werden. Zwei Anmerkungen dazu: Zum einen, liebe Damen, ist das Gezeigte aus künstlerischen Gründen maßlos übertrieben und stellt keinesfalls den zypriotischen Standard dar. Zum zweiten stellt sich die Frage, ob man so etwas überhaupt in der Öffentlichkeit ausstellen darf? Es könnten ja auch mal Kinder hierher kommen. Mit dieser Frage hat sich wohl auch der Künstler auseinander gesetzt und die Figur vorsichtshalber mit - ja wie soll ich es jetzt sagen - mit zwei Schwänzen ausgestattet. Und damit ist es kein Mensch mehr und für die Darstellung nichtmenschlicher Akte gibt es keine gesetzlichen Einschränkungen. Weiß man ja spätestens, wenn man mal Discovery Channel schaut. So, dass war es jetzt aber auch an schlüpfrigen Geschichten, weiter geht es zum oberen Wasserfall (Abb. 6), der sehr bescheiden aussieht. Zum unteren Wasserfall (Abb. 7) gibt es nun zwei Wege: Entweder man läuft den Fußweg hinab oder man sprang den Wasserfall hinab. Alle AIDA Gäste wählten den Fußweg. Zur Gaudi der Anwesenden sprangen aber zwei der Tourguides die geschätzten 8 Meter todesmutig hinab in den Teich (Abb. 8) und haben es auch überlebt. Krokodile gab es da jedenfalls nicht, wir waren ja nicht in Ägypten. Anschließend stand noch eine halbe Stunde Schwimmen auf dem Programm, natürlich nur wer wollte und dann ging es wieder auf die Quads. In zwei Gruppen ging es weiter. Wer etwas schneller fahren wollte, fuhr voran, der Rest hinterher. Man traf sich dann später wieder am Restaurant. Der Fahrweg verschlechterte sich jetzt noch weiter, ausgenommen mal das Stückchen Hauptstraße, wo es in aller erster Linie darauf ankam, auf der linken Seite zu fahren. Und irgendwann kamen wir dann zum Restaurant, wo ein Mittagessen auf dem Programm stand. Wir saßen also draußen an einem Tisch, es gab ein Getränk und ein Einheitsmenü: So eine Art Gyrosbrötchen, aber ohne Gyros, nur mit Feta gefüllt, 7 Stäbchen Pommes und ein Hauch von Tomaten. Manch einer ließ es komplett stehen, andere aßen immerhin die zwei Tomatenscheiben. Ich glaube, auch meine Katze hätte das verschmäht. Immerhin, an der Cola gab es nichts zu mäkeln.

Nach dem Essen ging es wieder zurück zum Anfang der Tour. Die Straße wurde wieder besser, die Leute konnten inzwischen auch besser fahren, da durfte man den Gashebel schon mal etwas weiter nach hinten drücken. Doch kurz vor dem Ziel passierte es. In einer scharfen Rechtskurve kippte ein Quad auf die Seite, der Fahrer blieb reglos auf der Straße liegen. War aber glücklicherweise nur eine Showeinlage der Tourguides. Jetzt noch ein paar Meter und wir waren wieder auf dem Parkplatz des Ausflugveranstalters. Die Quads wurden der Reise nach wieder aufgestellt, es sollte ja am Nachmittag noch eine zweite Gruppe von der AIDA kommen. Die Rückfahrt zum Schiff war dann recht ereignislos. Wir erreichten das Schiff (Abb. 9) zufällig zeitgleich mit Wanderern, Radfahrern, einem Tourbus und den Katamaranfahrern. Da war die Schlange am Schiffseingang dann etwas länger. Macht aber nichts, wir hatten ja für den Tag keine weiteren Pläne. Und freuten uns darüber, dass wir bei der frühen Tour dabei waren, denn am Nachmittag zog es sich doch arg zu.

Quadfahren ist schon eine lustige Sache, zumindest wenn man keine zu ängstliche Natur ist oder Rückenbeschwerden hat. Und solange das Wetter gut ist. Es darf natürlich nicht zu heiß sein, denn unter dem Helm schwitzt man doch. Bei trockenem Wetter ist es nur staubig, regnet es aber, wird man womöglich vom aufgewirbelten Schlamm des Vorausfahrenden vollgespritzt. Deshalb sollte man nur alte Sachen anziehen. Und noch ein Tipp für AC: Vielleicht sollte man sich mal mit dem Veranstalter zusammen setzen und zusätzlich noch eine Route ausarbeiten, die etwas geringere Anforderungen an den Rücken stellt. Dann könnte es vielleicht auch noch mehr Interessenten geben.

Die Insel Zypern hat mir nun nicht wirklich gefallen, es konnte nur noch besser werden. Und weil sie nicht schön war, gibt es diesmal auch keine schönen Fotos von ihr. Aber es wurde besser. Schon der Sonnenuntergang (Abb. 10) war sehr malerisch. Und als Passagier auf der AIDA muss man sich auch keine Gedanken machen, ob links vor rechts oder rechts vor links gilt: Rechts vor links ist übrigens richtig, wie in Deutschland.

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Reisezeitraum: September 2011

Bereits erschienen:

Amsterdam

Antwerpen, Zeebrügge: Brüssel

Dover: London

Antalya (Teil 1)

Antalya (Teil 2)

Heraklion: Kreta

Athen: Korinth

Volos: Meteora

Izmir

Marmaris

Santorin

Lissabon (Teil 1)

Lissabon (Teil 2)

Lissabon (Teil 3)

Zielgebiet
östliches Mittelmeer
Schiff
AIDAdiva
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