
4. Dezember 2011
Früher Morgen vor der Dämmerung ist Deckzeit - so beobachteten wir erneut, wie wir uns der Küste näherten und so nebenbei Spuren des Sonnenaufgangs.
Langsam näherten wir uns dem Hafen. Doch leider erinnerten die die Stadt am Meer eingrenzenden Hochhauszeilen an Las Palmas und Sta. Cruz de Tenerife … Doch das wahre und schöne Malaga sollten wir später kennen lernen; ein Vorgeschmack war das Bild mit der überragenden Kathedrale.
Erst einmal zum Frühstück und dann auf in die Stadt. Die Möglichkeit per Shuttle (einfache Fahrt € 2,--; hin und zurück € 3,50) ließen wir aus; Schusters Rappen waren gefragt und nach einem gemächlichen Spaziergang an Geschäften und Yachten vorbei
gelangten wir über den Paseo de España, den schönen Park und - wie wir später erlebten - die Flaniermeile Malagas, in ca. 20 Minuten an die Ausläufer des Weihnachtsmarkts. Na ja, eine Bude neben der anderen, teilweise bereits am Vormittag geöffnet, ab und zu wurden tatsächlich Weihnachtsutensilien angeboten - aber insgesamt erschien der Weihnachtsmarkt steril … vielleicht wirkte er in der Dunkelheit anders … Schnell weiter, nein, doch nicht, denn meine Frau wollte ein wenig die Angebote genießen. Aber sie riss sich los und um die Ecke erreichten wir die Alcazaba am Placa de la Aduana. Der Bau dieser befestigten Residenz wurde auf Basis einer römischen Burg im 8. Jahrhundert begonnen. Weiterbau im 11. Jahrhundert mit einem dreifachen Mauerring und etwa 110 Türmen. Logisch, dass im Laufe der Zeit Umbauten und Erneuerungen angegangen wurden, zumal der als Baustoff genutzte Kalkstein sehr witterungsanfällig ist. Schon von weitem überzeugte die Alcazaba - sie musste besichtigt werden (Eintritt Erwachsene € 2,10; Kinder und Rentner € 0,60 - Traumpreise!).
Nach dem Einlass warteten gut zu bewältigende Serpentinen auf uns. Ein Innenhof folgte dem anderen; viele Türme mussten bestiegen werden und immer wieder verführte die Aussicht auf Malaga.
Wir revidierten unsere erste Meinung zu dieser Stadt - man muss nur die Hochhäuser wegdenken … Im Festungsbereich wurden viele Häuser und Wohnungen restauriert, einige Patios bepflanzt - immer wieder stießen wir auf Orangenbäume, Bougainvilleas, Hibiscus` undundund.
Man erkannte, dass die damaligen Herrscher auch in einem militärischen Befestigungsbau gut leben konnten. Luxus war den Mauren nicht unbekannt - auch auf engstem Raum wurden Ziergärten angelegt,
Mosaike verwöhnten das Auge
und auch Wasserentnahmestellen waren einfach nicht hässlich.
Nach einiger Zeit verließen wir die Alcazaba; unser nächstes Ziel war eine weitere Festung: Castillo de Gibralfaro auf dem 116 m hohen Berg Gibralfaro. Berg und Festung hatten wir schon von der Alcazaba betrachten können.
Diese Festung wurde im 14. Jahrhundert erstellt, als die Mauren erkannten, dass die anrückenden christlichen Heere die Alcazaba hervorragend von oben beschießen konnten. Ein unregelmäßiger Mauerring umschließt Gibralfaro und der ummauerte Verbindungsgang Caracha erlaubte Truppenbewegungen zwischen unterer und oberer Festung.
Wie kommt man zur oberen Festung? Nach Verlassen der Alcazaba links halten und der Festungsmauer folgen. Der Weg nach oben dauert je nach Kondition zwischen 15 und 30 Minuten. Er ist sehr gut ausgebaut, mitunter allerdings recht steil.
Aber die Mühe lohnte sich. Allein die Ausblicke auf dem Weg nach oben …
Kurz vor dem Ziel kann man sich an einem Aussichtspunkt ausruhen. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf die Stadt, deren Sehenswürdigkeiten und speziell auf die Stierkampfarena sowie auf das Rathaus.
Nun dauert es keine 5 Minuten mehr bis zum Eingang der Gibralfaro. Die Eintrittspreise gleichen denen der Alcazaba. Gibralfaro wurde Jahrhunderte der Verwitterung überlassen und erst vor kurzem wieder aufgebaut. Das Ergebnis ist hervorragend. So kann man auf dem Wehrgang rund um die Festung gehen mit unvergesslichen Ausblicken auf Stadt, Meer und Umland - in alle Himmelsrichtungen.
Übrigens, wer nicht gut zu Fuß ist, kann sich auch per Hiphop-Bus oder per Taxi nach oben bringen lassen - bei einigermaßen klarer Sicht lohnen sich Mühe und Schweiß oder Bus/Taxi auf jeden Fall!
Komisch, der Weg nach unten war weniger schweißtreibend … Unten angekommen, hielten wir uns rechts vom Eingang der Alcazaba. Dort standen wir vor dem römischen Theater,
das zu Zeiten Augustus´ erbaut, bis ins 3. Jahrhundert nach Chr. genutzt und erst 1951 wieder entdeckt wurde.
Vom römischen Theater war es nicht mehr weit bis zur Santa Iglesia Catedral Basílica de la Encarnación.
Wir standen vor ihr und wie ein Tag zuvor in Cadiz: Staunen; dieses Mal sogar größeres Staunen. Ein gewaltiges Gebäude mit 92 m hohem Turm - Mensch, wie bist Du klein! Ob diese Erkenntnis Absicht der damaligen Priesterschaft war? Der Bau zog sich zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert hin. Also kein Wunder, dass unterschiedliche Baustile existieren: Spätgotik, Renaissance, Barock. Auffallend ist, dass beide Türme unterschiedlich hoch sind. Dem niedrigerem Stadtturm wurde der Turmaufsatz - wohl aus Geldmangel - nicht verpasst. Deshalb nennen die Einheimischen die Kathedrale La Manquíta - die kleine Einarmige … Die Innenbesichtigung war an diesem Nachmittag nicht möglich - aber bereits das Äußere beeindruckte sehr. Der Kathedralenvorplatz war natürlich weihnachtlich geschmückt - nicht unbedingt nach meinem Geschmack - aber das sieht jeder anders und das ist auch gut so!
Nur die Weihnachtssternkegel gefielen wie in Cadiz sehr.
Links von der Kathedrale schenkten sich vor Jahrhunderten die Bischöfe ihre Residenz.
Logisch, dass sie nicht so gewaltig wie die Kathedrale ist, aber auch nicht schlecht …
Von hier aus stürzten wir uns in die Gassen von Malaga.
Die Geschäfte waren geöffnet, in den Restaurants wurde bevorzugt draußen serviert. Viele spanische Familien nahmen ihr Mittagessen an der frischen Luft ein - am Puls der Stadt.
Prächtige Häuser stehen neben Gebäuden, an denen Putz abbröckelt. Viele kunstvolle Balkone waren mit blühendem Grün voll gestellt. Alles in allem sauber mit der Einladung zum Flanieren! Diese Einladung nahmen wir gerne an. So passierten wir diverse Plätze, auf denen Terrassenrestaurants voll besetzt waren, das Museum Carmen Thyssen mit der umfangreichsten Sammlung andalusischer Malerei des 19. Jahrhunderts und einige Kirchen wie die Iglesia del Sagrado Corazón.
Allmählich glühten die Sohlen - also machten wir uns Richtung Hafen auf den Rückweg. Er führte uns am Rektorat der Universität Malaga vorbei - nicht schlecht … und wenn man bedenkt, dass in diesem Gebäude bis 1986 die Post untergebracht war …
Genauso wie die daneben liegende Niederlassung der Banco de España - den Römischen Tempeln nachempfunden - schneeweiß und mehr als pompös - eben das Geld wert …
Aber das angrenzende Rathaus schlug bis auf die Kathedrale alles. Es wurde von 1911 bis 1919 erbaut. Neoklassizismus mit Barock-, Renaissance- und Jugendstilelementen. Man wusste damals schon, wohin man das Geld stecken musste …
Direkt neben dem Rathaus machten wir Rast in einem lauschigen Park. Einfach herrlich - unzählige Rosenarten in Blüte und Reihen von Orangenbäumen voller Früchte.
Mhm, die Früchte lockten nicht nur uns. Sie waren sehr saftig, aber noch mehr als sauer - also leider ab in den Abfall.
Als Trost genossen wir noch einmal den Anblick der Alcazaba vom Park aus.
So, von hier aus wanderten wir zur AIDAbella zurück. Wieder über den Paseo de España, der nun allerdings sehr bevölkert war und vorbei an einem Segelschiff.
Die Terrassenrestaurants am Hafen waren voll besetzt - Spanier genossen ihren Sonntag bei strahlendem Sonnenschein.
Auf dem Schiff war Ausruhen angesagt. Der Sonnenuntergang wurde natürlich auch mitgenommen
und dann war auf einmal wieder Abendessenszeit ...
Das sail-away um 22 Uhr versäumten wir nicht - die Lichterstadt Malaga mit beleuchteter Alcazaba und Gibralfaro verabschiedete uns.