Lanzarote – unser Island im Süden

César Manrique - überall auf der Insel findet man seine Spuren: Baustil, gemäßigter Massentourismus, Bewahrung der landschaftlichen und kulturellen Identität der Insel. Und: Nirgendwo in Spanien sieht man weniger Reklametafeln …

6. Dezember 2011 - Nikolaus- und Seetag

Vor vielen, vielen Jahren geriet ein Schiff in Seenot. Es gab kaum noch Hoffnung, da erschien Nikolaus von Myra, übernahm das Ruder und brachte das Schiff über höchste Wellen und Wogen sicher in den nächsten Hafen. Seitdem ist der heilige Nikolaus von Myra der Schutzpatron der Seeleute.

So, wie es aussah, benötigten wir an diesem Tag nicht die Hilfe des heiligen Nikolaus. Vielleicht lag es auch daran, dass - wie Kapitän Husmann berichtete - er einen direkten Draht von der AIDAluna zum heiligen Nikolaus hatte …

Der Tag begann mit Atlantik-Walking, das jäh unterbrochen wurde, als sich die Sonne ankündigte. Schnell nach unten (Walking-Kleidung machte eben schnell …) und es gelang mir noch, die Sonnenscheibe vor glutrotem Hintergrund aufzunehmen.

so, jetzt geht´s zum Frühstücken - irgendwo auf dem Atlantik zwischen Tanger und Lanzarote

Ein guter Tagesbeginn, der sich später fortsetzte mit Frühstück, Sonnenbaden, Mittagessen, Sonnenbaden,

Seetag, wie er schöner nicht sein kann - irgendwo zwischen Tanger und Lanzarote; irgendwann vor Mittag ...

Kaffee und Kuchen, Sonnenbaden, Verabschiedung der Sonne,

irgendwo zwischen Tanger und Lanzarote

Sushi, …. Ein wohltuender Stress … Ein wenig störte, dass wir am späten Nachmittag an der Informationsveranstaltung über die Abreise teilnehmen mussten …

7. Dezember 2012 - Lanzarote

7 Uhr war wieder Deckzeit - die Lichter von Arrecife kamen immer näher. Auffallend war, dass die Gebäude der Hauptstadt recht niedrig und hell waren. Später hörten wir, dass auf Lanzarote maximal 2-stöckig gebaut werden darf und dass die Häuser nur in weiß oder ocker gestrichen werden dürfen. Diese Bestimmungen wurden von César Manrique, dem wohl größten Sohn Lanzarotes und als Maler, Architekt, Bildhauer und Umweltschützer tätig, initiiert und durchgesetzt.

Die Sonnenscheibe hatte am 7. Dezember Urlaub - dafür färbte sie den Himmel richtig schön ein:

Symphonie in Sonne - sie geht über Lanzarote auf ...
Lanzarote: der Sonnenaufgang begleitete uns ein wenig länger

Die AIDAbella legte pünktlich um 8 Uhr an; 30 Minuten später trafen sich die Ausflügler "Vulkane im Timanfaya-Nationalpark" im Theatrium und kurz darauf ging es los. Zunächst durch die Außenbezirke Arrecifes, dann durch das Landesinnere. Weiße Häuser begleiteten uns,

Lanzarote: unterwegs Richtung Feuerberge
Lanzarote: unterwegs Richtung Feuerberge - Ortschaften ohne Hochhäuser

ab und zu Palmen und für die Aussaat vorbereitete Äcker.

Das Problem Lanzarotes besteht im Wassermangel; unser Reiseführer informierte, dass es acht Monate nicht mehr geregnet hätte. Der Hausgebrauch wird über Meerwasserentsalzungsanlagen gedeckt. In Gärten und in der Landwirtschaft wird nach dem Prinzip der Hydrokultur vorgegangen: Der für die Pflanzen notwendige Mutterboden wird mit einer Schicht aus Lapilli bedeckt. Lapilli sind erbsen- bis nussgroße Lava- und Schlackensteine. Lapilli speichert den Tau der Nacht und geben die Feuchtigkeit an die Pflanzen ab.

Die vorherrschende Farbe der durchquerten Landschaft war nun entsprechend schwarz; entweder wurde der Garten-/Feldboden mit Lapilli bedeckt

unterwegs auf Lanzarote

oder es war das Ergebnis der Vulkanausbrüche von 1730 bis 1736.

unterwegs auf Lanzarote

Damals entstanden 30 Vulkankegel, austretende Lava bedeckte 167 qkm der Gesamtfläche von Lanzarote (846 qm); damit ist es das größte Lavafeld der Welt. Dieses - speziell der Nationalpark Timanfaya - war unser Hauptziel.

Lanzarote: am Eingang zum Nationalpark Timanfaya

Der Nationalpark unterscheidet sich extrem von den drei anderen auf den Kanarischen Inseln, denn statt auf üppige Vegetation trafen wir auf eine von Asche und Lava bedeckte Wüstenlandschaft mit äußerst spärlicher Pflanzenwelt. Dazwischen immer wieder Vulkankegel oder eingebrochene Kraterlöcher in allen Größen.

Lanzarote: Krater

Die Lava zeigte sich in allen Formen: Teilweise konnte man sich den geglätteten Lavastrom vorstellen,

Lanzaote: erstarrte Lavaströme

oftmals zeigten sich scharfkantige Felsen,

Lanzarote: Lava in sämtlichen Formen

auch Lavablasen und -tunnel waren zu beobachten.

Lanzarote: Einstieg zur Reise zum Mittelpunkt der Erde?

So, nun zurück zum Ausflugsprogramm. Unseren ersten Stopp machten wir beim von César Manrique 1970 eröffneten Restaurant El Diabolo

Lanzarote: César Manriques Restaurant und Kulturzentrum "El Diabolo" im Nationalpark Timanfaya
El Diabolo von Lanzarote

Das Lokal entsprach voll Manriques Intentionen: Mit seiner schwarzen "Haut", unterbrochen von großen Panoramafenstern, fügt es sich übergangslos in die Landschaft ein. Vor dem Lokal wohnten wir den Beweisen der immer noch existierenden Vulkantätigkeit bei. Jeder Besucher erhielt einige von der Erdoberfläche aufgehobene Lapilli in die Hand. Wir konnten sie nicht auf der Handfläche behalten - so heiß waren die Lapilli! An einer anderen Stelle entzündete sich in einem Erdloch trockenes Gestrüpp - allein von der Erdwärme.

Lanzarote: Gestrüpp für die Touris ...
Vorsicht! Lanzarote ist feuergefährlich ...

Und an einer dritten Station schüttete ein Parkmitarbeiter einen Eimer Wasser in eine in die Erde eingelassene Röhre - nach kurzer Zeit schoss es nach dem Geysirprinzip in die Höhe.

man musste nachhelfen - aber es klappte: Geysir auf Lanzarote!

Logisch, dass diese extreme Erdhitze nur an nicht allzu vielen Stellen auf Lanzarote anzutreffen ist …

Nach der Vorführung war noch etwas Zeit, das Restaurant zu besichtigen; insbes. den Naturgrill: auf einer runden Steinmauer lag ein riesiger Grillrost. Aus dem von der Mauer umfassten Loch stieg Erdwärme hoch, die z.B. Fleisch ohne schädliche Rückstände grillmäßig gart. Für uns gab es keine Kostprobe - entweder waren wir zu früh oder der Koch wusste, dass gut genährte AIDA-Passagiere anwesend waren.

Nun kam der Höhepunkt des Ausflugs: Der Bus fuhr uns auf engen, kurvenreichen Straßen mit recht beachtlichen Höhenunterschieden durch die Mondlandschaft. Ja, so stellt man sich die Mondlandschaft nicht nur vor - in dieser Gegend wurden die für die Apollo-Mondlandung vorgesehenen Fahrzeuge getestet.

Lanzarote: auch die Straße macht den Unterschied zum Mond aus
die Mondlandschaft von Lanzarote

Faszinierend war die Farbenpracht: Je nach Zusammensetzung des Ausbruchsmaterials schimmerten die Feuerberge von rostrot über ocker bis tiefschwarz in unterschiedlichen Schattierungen.

Lanzarote: die farbige Öde
Lanzarote: Faszination der Einsamkeit

Die Fahrt durch den Nationalpark dauerte ca. eine Stunde; der Bus fuhr - auch angepasst an die Straßenführung - sehr langsam, so dass wir die für uns nicht alltägliche Umgebung sehr gut genießen konnten. An exponierten Stellen hielt er kurz, so dass die Fotografen zu ihrem Recht kamen.

Ein weiterer Programmpunkt war der Kamelritt.

Lanzarote: alles für die Touristen ...

Klar, nur für die Touristen, aber es machte Spaß. Und es wird darauf geachtet, dass die Kamele nicht überfordert werden und genügend Zeit zum Ausruhen haben. Wir setzten uns in die links und rechts vom Höcker befindlichen Tragesitze. Anschnallen und Festhalten war notwendig … das Wüstenschiff - unseres hieß Hassan - schaukelte mehr als die AIDAbella während der gesamten Tour … Und nach der Rückkehr hieß es für die Kamele: Die Karawane zieht weiter … aber mit neuer "Besatzung" …

Auch bei uns ging es weiter - mit unserem Bus zum Weingut La Geria, ein 15 km langes und 2 bis 3 km breites Landschaftsschutzgebiet. Das Weingut kündigte sich frühzeitig an: zigtausende Reben waren links und rechts der Straße zu sehen; jeder Rebstock umgeben von einer niedrigen Mauer, die vor immerwährenden Winden schützen soll.

im Weinbaugebiet La Geria

Gepflanzt wurden die Reben in dieser Form nach den Vulkanausbrüchen im 18. Jahrhundert. Die trotz der Widrigkeiten gebliebenen Bewohner gruben - teilweise mit bloßen Händen, da Werkzeuge und Geräte vielfach verbrannt waren - so lange in der Asche, bis sie zum Mutterboden kamen. Sie erkannten im Laufe der Zeit, dass die Lapilli den Tau speicherten und pflanzten dann die Weinstöcke, deren lange (Fuß-)Wurzeln schnell zum Mutterboden stießen. Ein unwahrscheinlicher Erfolg für diese wasserarme Gegend - aber die dort vorherrschenden Weinsorten wie Malvasier und Muskateller weisen eine hervorragende Qualität auf, wie wir in der Bodega von La Geria testen konnten.

in der Bodega von La Geria

Zurück fuhren wir durch den Ort Yaiza, der bereits zweimal zum schönsten Ort Spaniens gewählt wurde. Vorwiegend weiße Häuser und gepflegte Gärten mit Palmen und verschiedenen in Blüte stehenden Pflanzen unterbrachen wohltuend das Schwarz und Rostrot der Vulkanlandschaft.

Yaiza auf Lanzarote

Nach einer kurzen Fahrt entlang der felsigen Atlantikküste

Lanzarote: an der Felsküste

konnten wir aus dem Bus heraus Blicke auf die Salzverdunstungsanlage Salinas de Janubio werfen, die zu den größten Spaniens zählte. Im 19. Jahrhundert war die Salzgewinnung einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Insel. Auf Lanzarote gab es zahlreiche Salinen, bei denen Hochseefischer das zur Konservierung notwendige Salz bunkerten. Mit der Einführung von Kühlaggregaten auf den Schiffen ging die Bedeutung der Salinen eminent zurück, in letzter Zeit noch mehr, da Salz als Nebenprodukt bei der Meersalzentwässerung zur Genüge zur Verfügung steht. Salinas de Janubio ist die letzte Saline auf Lanzarote. Sie steht unter Denkmalschutz und kann nur aufgrund EU-Unterstützung weiter arbeiten. Wie der Reiseführer berichtete, steckt sie trotzdem in finanziellen Schwierigkeiten und verweigert die öffentliche Hand weitere Unterstützung, so dass eventuell ihre letzten Tage gezählt sind.

Lanzarote: Salinas de Janubio

Viel zu schnell erreichten wir dann die AIDAbella, aßen zu Mittag packten die Koffer und los ging es mit dem Sonnenbaden. Den eigentlich geplanten Besuch Arrecifes verschoben wir auf das nächste Mal. Aber: ein Abschiedsfoto von der AIDAbella fehlte noch:

die AIDAbellissima im Hafen von Arrecife

Bei Sonnenuntergang waren wir natürlich wieder auf Deck.

Sonnenuntergang über Lanzarote

Ein letztes wehmütiges sail-away auf dieser Kreuzfahrt und dann wieder ein ausgedehntes Abendessen, zu dem sich die Köche und Konditoren wieder übertrafen …

... der Abschied droht ...

Wir stellten fest, dass die Künstler auf der AIDAbella das Fruchtschnitzen vielseitiger beherrschten als auf den anderen bisher besuchten AIDA-Schiffen.

Der Abschiedssekt schmeckte; es kam die Verabschiedung durch Kapitän und Besatzung, dann die Abschiedsshows und viel zu schnell die Koje, denn der Wecker drohte aufgrund unseres frühen Abflugtermins schon kurz nach vier zu klingeln …

Ausblick

Es war eine phantastische Kreuzfahrt, die vor allen Dingen vom Wetter lebte: zwei Tage bewölkter Himmel, wobei immer wieder die Sonne durchkam; in Lissabon 15 bis 20 Minuten Regen mit anschließenden lauten Lockrufen der Sonnenmilch; ansonsten Sonne satt. Das Meer war nahezu wie ein Ententeich; ab und zu seitliche Dünung bis 4 m, aber insgesamt (für uns) sehr gut zu ertragen.

Dass man sich auf der AIDAbella wie zu Hause fühlen kann, muss nicht weiter ausgeführt werden.

Das Essen war wie bisher abwechslungsreich und schmackhaft.

Wir führten viele angenehme Gespräche mit den Mitreisenden. Über das Benehmen der Passagiere können wir uns nicht beklagen. Klar, "Ausreißer" in allen Altersstufen gab es - wie bei jeder Kreuzfahrt -, aber sie fielen nicht ins Gewicht.

Liegenreservierer waren zur Genüge zu beobachten (ein Kreuzfahrtschiffssport?) und es wird sie immer wieder geben, so lange AC nicht rigoros einschreitet (das wäre nicht das Schlechteste …). Unverständlich ist auch, dass vermehrt Mitreisende (auch in allen Altersstufen) die an Sonnentagen insgesamt spärlichen Deckstühle als Fußablagen nutzten (natürlich mit Schuhen …). Wie zu Hause? Aber an den letzten Punkten sollten die erwachsenen Mitreisenden selbst "arbeiten" … es ist und bleibt ein Gesellschaftsproblem.

Die Anlaufziele waren attraktiv und boten mehr als genügend Ausflugs- und Besichtigungsmöglichkeiten.

Die Veranstaltungen und Shows waren wie immer abwechslungsreich und professionell.

Die Besatzung war weitestgehend höflich und zuvorkommend - aber auch wir haben nicht immer einen guten Tag - oder???

Wir danken Kapitän Husmann und seiner Besatzung, dass es uns an diesem eigentlich (und damit schließt sich der Kreis) nicht eingeplanten AIDA-Urlaub an nichts fehlte.

Zielgebiet
Kanaren
Schiff
AIDAbella
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