Südamerika, ein Kontinent voller Kontraste Teil II

So, nun habe ich endlich Zeit gefunden, den zweiten Teil dieser Reise zu beschreiben. Vor allen Dingen aber den Rest der Fotos zu sortieren, um den Bericht damit zu ergänzen.

Eine
Reise in eine andere Welt, eine Reise ans Ende der Welt, eine Reise
in verschiedene Klimazonen - eine Reise, die wir sicher so schnell
nicht vergessen werden.

Ein Hinweis zum Link der Fotos: den Link mit der rechten! Maustaste öffnen und dann im neuen Fenster öffnen. So geht der Text des Reiseberichtes nicht immer "verloren".

Montag,
5. Dezember, Port Stanley, Falklandinseln

leicht
bewölkt, 10 Grad, nächste Etappe 1935 Kilometer bis Montevideo

Blick
vom Gang Deck 5, upps, wo ist der Hafen? Wir sehen nichts, nur eine
Bucht und dann sehen wir auch schon die lange Schlange im
Treppenhaus. Anstehen zum aus schiffen per Tenderboot. Haben wir noch
nicht erlebt und es war eine interessante Sache. Rein ins Boot,
setzen, ja nicht aufstehen! Vorne, steht oben über uns der
Steuermann und schaut aus einer Luke in Richtung Hafen. Die Wellen
schlagen an die Außenwand und dann aufgeregte Rufe, ein Delphin da,
da!!! Und schon war er wieder weg.

Ach, was
war das für ein kleiner anschaulicher Hafen in Stanley. Ein
schmaler Steg, durch die Kontrolle und schon waren wir dort, wo es
wirklich very, very british ist. Überall die Flaggen, die netten
Häuschen mit den Vorgärten, blühende Sträucher und Blumen.

Mit rund
2300 Einwohnern ist Port Stanley der einzige größere Ort und
gleichzeitig auch die Hauptstadt der Falklandinseln. Neben den beiden
Hauptinseln (Ost- und Westfalkland) gibt es noch rund 750 kleine und
klitzekleine Inseln, die zu diesem Verbund gehören. Insgesamt leben
3000 Menschen auf den Falklandinseln. 350 Kilometer östlich der
argentinischen Südspitze liegt dieses großartige 12.173
Quadratkilometer große Naturparadies. Seit 1833 stehen die
Falklandinseln unter britischer Verwaltung, gehören als britisches
Überseegebiet aber nicht zur Europäischen Union.

Was tun,
die große Frage. Ratlos und unentschlossen stehen wir und andere
Mitreisende am Anleger herum. Stadt erkunden oder eine Tour machen?
Natürlich warten dort auch Menschen, die uns gerne mit ihrer Taxe
oder einem Minibus irgendwo hin fahren würden - aber wohin? Einige
Mitreisende wollen Pinguine sehen und wie ist das mit dem
Gruppenzwang - letztendlich sitzen wir bei Ellen im Bus und es geht
an die Küste - Gypsy Cove. Eine Bucht, unbeschreiblich schön. Wir
haben sie schon vom Schiff aus gesehen. Weißer Sand und karibisch
blaues Wasser, Postkartenmotiv. Mit Poole's Cabs geht es erst mal ein
Stück durch Port Stanley. Ellen, spricht natürlich englisch, wir
haben einen Mitreisenden im Bus, der dolmetscht. Voller Stolz erzählt
sie uns etwas über Land und Leute und unser erster Halt ist die 2009
eröffnete Liberty Lodge, eine Erholungsstätte für Kriegsveteranen
des Falklandkrieges (1982). Gemütliche Zimmer, teilweise mit Blick
auf das Meer, sollen dafür sorgen, dass diese Menschen einen Ort der
Ruhe und Erholung für zwei Wochen haben. Die Einrichtung wird nur
durch Spenden finanziert.

Weiter
geht es vorbei an dem Totem Pole (Totempfahl). Ursprünglich wurde er
von britischen Soldaten auf einer kleiner Anhöhe erreichtet, um die
Entfernung zu ihren Heimatorten anzugeben. Inzwischen, so war
ersichtlich, haben natürlich auch Besucher der Inseln weitere
Schilder hinzugefügt, sodass man auch Städte aus vielen anderen
Ländern darauf findet.

Über
eine schmalen Landstrich fahren wir dann auf einer Schotterstraße
nach Gypsy Cove. Als erstes sticht uns auf dem Parkplatz ein
ausrangierter Bus ins Auge, Teatime gefällig im "Coach Tee Room"?
Von hier aus laufen wir dann vor zur Küste. Vorbei an bunt blühenden
niedrigen Blumen, Gestrüpp und knallgelbem Ginster, der einen
Honigduft verbreitet, der uns fast berauscht. Der Weg, gezäunt von
Stacheldraht und Hinweisschildern, ist auch ein Teil der Geschichte
der Falklandinseln- immer noch liegen Minen herum. Es ist
strengstens verboten, abseits der Wege zu laufen. Dann tut sich vor
uns diese unsagbar schöne Bucht auf, der weiße Sandstrand leuchtet
nur so und das Wasser in einer Farbe, die uns an die Karibik erinnert
und mitten drin - die Magellanpinguine. Sie stehen an der
Wasserlinie, gemeinsam mit den Wasservögeln. In der Ferne können
wir von einer Felsnase aus die Cara sehen. Mit viel Glück kann man
hier auch die Commerson's Delphine sehen, wir sahen keinen -
schade. Aber nicht nur am Wasser sehen wir die Pinguine, auch im
Gestrüpp laufen sie herum und schauen uns neugierig an. Wir können
uns gar nicht sattsehen an dieser Landschaft hier und die Luft, so
frisch und voller Duft. (Mein Gedanke zu der Bucht: "hätte ich
einen Bikini drunter an, ich würde mich ausziehen, vor der Bucht
fotografieren lassen und dann zu Hause erzählen - wir haben noch
einen Abstecher in die Karibik gemacht. Die Pinguine dort am Strand
sind aus Plastik!" Mein Mann lacht darüber und meint, "du
hättest dann aber Gänsehaut auf dem Foto") Als ich Ellen frage,
ob man hier denn auch im falkländischen Sommer badet, lacht sie
herzhaft und sagt: "my dear, to cold". Man kann, wenn man möchte,
diese Tour auch zu Fuß machen von Port Stanley aus, hin und zurück
12 km. Ich bin froh, dass wir mit dem Bus gefahren sind.

Wieder
in Richtung Stanley kommen wir am Wrack der "Lady Elisabeth"
vorbei. 1879 lief dieser mit seinen drei gusseisernen Masten
versehene Segler in Sunderland vom Stapel und kam 1913
schwerbeschädigt durch die Felsen im Berkeley Sound in Stanley an.
Lange wurde das Schiff noch als Lagerraum genutzt, bis es von seinen
Bojen losbrach und zur jetzigen Stelle getrieben wurde. Über den
Verbindungsweg geht es zurück in Richtung City zum Britannia House,
dem Falklandmuseum. Wir schauen uns die Außenanlagen an und
verzichten auf den Besuch, die Zeit treibt uns. Ellen verabschiedet
sich und wir haben die Tour mit ihr sehr genossen.

Entlang
der Roos Road reiht sich eine Sehenswürdigkeit an die andere. Vorbei
am Jhelum Shipwreck, auf dem sich Vögel niederlassen haben, geht es
zum Battle Memorial. Dies Mahnmal erinnert an die Seegefechte vom 8.
Dezember 1914 zwischen der britischen und deutschen Flotte in den
Gewässern rund um die Falklandinseln herum. Geschichte, egal wohin
wir laufen. Das Haus und Büro des Gouverneurs stammt aus der Zeit um
1840 herum, sehr schön anzusehen. Überhaupt sehen wir viele
typische Landhäuser der Kolonialisten. Diese Landhäuser mit ihren
Wellblechdächern und bunten Fassaden passen in diese Landschaft.
Natürlich haben wir auch das einzigste Backsteingebäude auf der
Insel gesehen, das Stanley Cottage. Und überall wehen die britischen
Flaggen im Wind.

Ein
wahres Schmuckstück ist die Christ Church Kathedrale. Es ist die
südlichste anglikanische Kathedrale der Welt. In ihrer Schlichtheit,
mit den bunten Glasfenstern und dem hölzernen Kirchenschiff,
strahlt diese Kathedrale wirklich was besonderes aus. Auf dem
Vorplatz steht der berühmte Bogen aus Walknochen. Es sind die
Kieferknochen von zwei Blauwalen, die 1933 zu diesem Denkmal
zusammengefügt wurden. Gerade noch sehen wir, wie junge Leute
technische Geräte und Musikinstrumente in die Kirche bringen. Zum
90. Geburtstag der britischen Legion soll hier am 7. Dezember ein
Konzert stattfinden. Auch die Post und die Andenkenshops haben wir
uns angesehen. Pinguine, wohin man schaut, in den Schaufenstern, auf
den Postkarten, Briefmarken und sogar eine Pinguine-News gibt es
hier. Was da wohl drin steht? In den Souvenir-Shops gibt es zum Teil
recht nette Mützen, die aus Falklandwolle gefilzt werden. Wenn der
Wind bläst, wie bei unserem Besuch, kann man so eine Kopfbedeckung
sicher gut gebrauchen. Das Wetter ändert sich hier sehr schnell,
Sonne, Wolken, Wind und zwischen drin Regenschauer. Erwähnen möchte
ich noch, es gibt sie auch auf den Falklandinseln, die schönen roten
Telefonzellen. Dort kann man mit Telefonkarten ins Ausland
telefonieren. Handyempfang ist nur begrenzt möglich, eigentlich nur
in einem Teil der Ost-Falklandinseln. Dies ist wichtig zu wissen, für
die Reisenden, die per Mietwagen unterwegs sind. Für alle Touristen,
die per Wi-Fi ins Internet wollen, stehen Hotspots in der Stadt zur
Verfügung.

Der Ort
ist so ziemlich schnell erkundet, von Roos Road West bis Roos Road
East ist man bald gelaufen, man sieht alles, was man gesehen haben
muss und so warten wir, vom englischen Flair angehaucht, auf unser
Tenderboot, das uns wieder zur Cara bringt. Schade, für Fish and
Chips hatten wir keine Zeit mehr. Ein Pupbesuch wäre auch nett
gewesen. Naja, dafür haben wir viel gesehen.

Auf dem
Schiff warten die Crewmitglieder mit frisch geshakten Cocktails auf
uns, aber so richtig warm machen die nicht - meint mein Mann und
eine ganz nette Mitreisende auch. Unsere Cara lichtet den Anker und
langsam verschwinden die sanften Hügel der Falklandinseln im Dunst.
"Reise zum Mittelpunkt der Erde" hieß die wilde Expedition von
Axel, seinem Onkel dem Professor, dem Isländer Hans und Axel's
Verlobter, der Gretel. Ein gesanglich und farbenprächtiges
Musikspektakel verzauberte uns am Abend und erinnerte an die Reise
von Jules Verne. Eine Stunde später in der AIDA-Bar, "Crew meets
Band", ein beliebter Programmpunkt auf fast jeder Reise. Von der
Küche bis Housekeeping, wer singen möchte - kann zeigen, was er
kann. Nach Zugaben und dem Abgesang des musikalischen Direktors, der
uns mit seinem "Hey Jude" fast heiser singen ließ, fand dieser
Tagen einen gekonnten Abschluss.

https://picasaweb.google.com/Aidafreundin/SudamerikaTour5122011?authkey=Gv1sRgCMLgsdD4rqLQdA

Dienstag,
6. Dezember, Seetag - Nikolaustag

leicht
bewölkt, 12 Grad, nächste Etappe 1935 Kilometer bis Montevideo

Ausschlafen,
gemütlich Frühstücken, Sport treiben, lesen, Fotos anschauen,
Erinnerungen austauschen, Shopbummel machen (dabei kam der Nikolaus
für mich vorbei), Vortrag über Uruguay hören und sehen und immer
wieder auf das Meer hinaus schauen - das ist unser heutiges
Tagesprogramm bis zum Abendessen. Erwähnenswert ist die
Kunst(ver)führung durch Frau Brettschneider (die hatten wir ja schon
im Restaurant gesehen). Sie erklärte in einer blumigen Sprache die
einzelnen Kunstwerke, die die Wände der Cara schmücken, aber auch
die schönen Mosaiksäulen in der AIDA-Bar. Ich hatte wirklich Tränen
in den Augen, die Frau war umwerfend komisch. Danach schnell noch
umziehen und ins Theater. Zackig geht es zu bei der Show "Zack
Zack". Ein witziger Wettbewerb, Passagiere treten gegeneinander an
und müssen beweisen, wie pfiffig und schnell sie sein können. Das
Show-Ensemble spickte diese Show mit musikalischen Einlagen und sorgt
mit allerhand Späßen für eine kurzweilige Unterhaltung. 22.30 Uhr
ist angezapft in der AIDA-Bar - es gibt das legendäre Alpenglühen.
Brezen und Herzl zeigen, mir san in Bayern! Die AIDA-Bar gefüllt wie
lange nicht mehr, die Luft geschwängert vom Duft der Schmalz- und
Schinkenbrote und des gezapften Bieres. Es wird gesungen und
geschunkelt, mit Maßkrügen angestoßen und getanzt, bis hin zur
Riesch-Ratsch-Polka, die Erika und ich aufs Parkett legten.
Zielsicher und schlagkräftig musste man sein, um den Nagel auf den
Kopf zu treffen. Derjenige, der den Nagel vollends in den Holzbock
klopfte, zahlt die Runde. Ein lustiger Spaß, nicht nur für die
Burschen. Nein nein, auch Maderln können ordentlich draufhauen.
Uffz, das war dann doch spät, als wir endlich im Bett lagen.

Dienstag,
7. Dezember, letzter Seetag

bewölkt,
14 Grad, nächste Etappe bis Montevideo

Morgens
ist es immer noch leicht diesig, aber es wird wärmer. Mein Frühstück
fällt mager aus, ich gehe heute wieder zu Rico Marter in die
Rossini-Küche. Aber eine kleine Grundlage habe ich mir schon
gegönnt, denn ein Empfangssekt auf nüchternen Magen, das kann nicht
gut gehen. Ich schau mich auf dem Schiff um, mache ein paar Fotos und
trauen meinen Augen nicht. Wir haben gegenüber dem Theater vor den
Toiletten eine Toilettenfrau und einen Toilettenmann sitzen, so
richtig mit kleinem Tischchen, Klorolle und Porzellanteller für die
Münzen. Ach, denke ich, gehste noch mal. Nachher beim Koch verpasse
ich vielleicht was. Oha, die nette alte Dame vor der Tür reißt ein
Stück Toilettenpapier ab und will es mir in die Hand drücken. Wie,
frage ich, das soll für mich sein? Das ginge wohl zu weit, meine
ich. Ich nehme doch kein Papier, das jemand Fremdes angefasst hat.
Sie schaut mich grimmig an und ich darf mein Papierblättchen selbst
abreißen. Als ich im Vorraum bin, muss ich doch nicht. Wasche meine
Hände und werfe das Klopapier in den Papierkorb. Beim verlassen der
Toilette will ich mich hinter dem Tisch wegschleichen und ernte
wieder einen bösen Blick. Sage ich der Toilettenfrau, ich hätte
doch nichts gemacht, raunzt sie mich doch an, wo ich dann das Papier
gelassen hätte. Ich flunkere und sage, ins Klo geschmissen. Na, das
ginge ja wohl zu weit zetert sie, diese Ressourcenverschwendung,
nichts machen und dann Papier wegspülen. Ach, das eine nette
Begegnung und andere Reisende hatten auch ihren Spaß daran, sie
warteten auf die Öffnung des Theaters zum Vortrag vom Lektor
Brüggemann.

Elf Uhr,
Gourmet-Restaurant Rossini. Eine kleiner Gruppe hat sich
zusammengefunden, um Rico Marter beim zaubern eines Menüs über die
Schulter zu schauen. Auf dem Programm: Rindercarpaccio mit
Senfvinaigrette und Parmesan, gespicktes Wolfsbarschfilet auf
Blumenkohlpürree und Champagnersoße, Creme brulee. Beim Carpacchio
konnte schon mal jeder beweisen, ob der das Stück Filet schön dünn
klopfen kann. Auch beim gratinieren der leckeren Nachspeise durften
wir zeigen, ob wir es schaffen, den Zucker zu schmelzen und nicht zu
verbrennen. Dieses Menü war ein Gedicht, wir haben natürlich wieder
alle Gänge verspeist und viele nützliche Tipps mitgenommen.

Am
Nachmittag kam die Sonne leicht durch und man konnte schon wieder
ohne Winterjacke draußen auf dem Deck herumspazieren. Das Wasser
ohne jede Aufregung, sprich Wellen. Der Abend klang für uns mit
Livemusik des Aftertea-Trios aus. Die letzten Tage haben uns
irgendwie geschafft und endlich geht es mal früh ins Bett.

https://picasaweb.google.com/Aidafreundin/SudamerikaTour6Bis7122011?authkey=Gv1sRgCOCt8sD0nr6jPg

Dienstag,
8. Dezember, Montevideo/Uruguay

sonnig,
20 Grad, nächste Etappe bis Buenos Aires, 257 Kilometer

Gut,
dass wir mal früh ins Bett gegangen sind, denn unser Ausflug
Montevideo Stadtrundfahrt und kleine Reise mit Dampfzug begann
bereits um 8.45 Uhr. Die Sonne scheint und so steigen wir
erwartungsvoll in den Bus. Unsere Reiseleiterin entpuppte sich leider
zu einer Rednerin mit großen sprachlichen Pausen und so bedauerten
wir, dass wir eigentlich so wenig über diese so schöne Stadt
erfuhren. Sie sprach zwar deutsch und wenn sie nicht mehr weiter
wusste kam der Standardsatz: "es funktioniert sehr gut oder es ist
sehr wunderschön". Wir haben uns geistig ausgeklinkt und genossen
einfach die Fahrt durch die Stadt, vorbei an imposanten Gebäuden.

Montevideo,
die größte Stadt Uruguays mit rund 1,4 Millionen Einwohnern, ist
gleichzeitig auch die Hauptstadt dieses Landes. Erster Haltepunkt,
der Plaza Independica, Platz der Unabhängigkeit. In der Mitte ein
riesiges Reiterstandbild, das den Nationalhelden Jose Gervasio
Artigas zeigt. Ich komme mir richtig klein vor, als ich davor stehe.
Unterhalb des Denkmals ist ein Mausoleum, in dem sich die sterblichen
Überreste dieses Helden befinden. Das Teatro Solis (benannt nach dem
Entdecker des Rio Platas) ein protziges Gebäude säumt den Platz,
ebenso wie der neue Justizpalast . Der 100 Meter hohe, (einstmals
höchstes Gebäude Südamerikas im Stil der Zuckerbäckerei
errichtet) ist der Palacio Salvo; erbaut im Jahre 1925. Gut gefallen
haben mir die verglasten Fronten einiger Gebäude, schöne
Spiegeleffekte. Riesige türkisfarbene Glasfassaden und an einem
Gebäude bestückt mit vielen Klimaanlagen, die wie Vogelnester an
der Front kleben. Vorbei an verschiedenen Parkanlagen mit
beeindruckenden Bronzefiguren fuhren wir durch ein Villenviertel und
kamen zur berühmten Rambla. Diese 22 Kilometer lange Promenade,
entlang des Rio Platas ist ein zentraler Mittelpunkt - Strände auf
der einen Seite und Villen, Bürogebäude, Hotels und Geschäfte
säumen diese Straße auf der anderen Seite. Jogger, Hunde,
Fahrräder, Autos, Fußgänger alles friedlich und ohne Hast im
Rhythmus einer Großstadt. Eine wunderschöne Skulptur in einem
Brunnen war zu sehen. Ich bedaure an dieser Stelle wirklich, dass ich
nicht 100 mal nachgefragt habe, was wo ist. So habe ich nur die
Fotos, aber vielleicht geben die mehr wieder, als 1000 Worte.
Beeindruckt waren wir vom Parlamentsgebäude Uruguays. Ein
Gebäudekomplex, einfach überwältigend. Man steht davor, sieht die
breite Treppe hinauf, erblickt die hohen Säulen und dann die
Marmorverkleidungen. Das im neoklassizistischen Stil errichtete
Gebäude entstand in der Zeit ab Juli 1905 mit der Grundsteinlegung
und wurde am 25. August 1925 eingeweiht. Genau an dem Tag war auch
der 100. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung Uruguays. Streng
bewacht betrachten wir die riesigen Gemälde im Eingangsbereich und
natürlich auch die erste Verfassung des Landes. Durch bunt verglaste
Fenster schauen wir in den Innenhof, laufen vorbei an den Türen, die
zu den Abgeordnetenkammern führen und lassen die Finger über die
kühlen Marmorbänke gleiten. Alles ist riesig, die Halle, die Höhe,
die gewölbte Decke mit den Verglasungen, sogar die Fahnenmasten vor
dem Eingang. Von den riesigen Freitreppen geht es hinunter auf einen
schön angelegten Platz. Von hier aus hat man einen guten Blick auf
das Gebäude, den Torre Antel (staatliche Telefongesellschaft).
Vorbei am Prado, nördlich vom Stadtzentrum, fahren wir am
botanischen und japanischen Garten vorbei und sehen auch die berühmte
Gedenkstatue, die die letzten Ureinwohners Uruguays darstellen, die
Charrua.

Der
letzte Höhepunkt dieser Stadtrundfahrt ist die Fahrt mit einer
historischen Eisenbahn. Der
Verein AUAR, Asociación Uruguaya Amigos del Riel, betreibt einen
Dampfzug, der uns von Colon aus wieder nach Montevideo bringt. Wir
haben Glück, die Dampflock, die ausgefallen war, fährt wieder und
so sehen und erleben wir das "Zugpferd", die englische Beyer
Peacock-Lokomotive 120 in voller Aktion. Die Lok, die von der AUAR
(Vereinigung der Eisenbahnfreunde Uruguay) rekonstruiert wurde,
nachdem sie bis 1990 in Betrieb war, wird bestaunt. Zwei in Holland
gebaute Wagen der Marke Allen mit Platz für 192 Passagiere ergänzen
den Zug und wir kommen in den Genuss, ein wenig das Gefühl zu haben
- Reisen wie Anno dazumall mit Dampf und stampfenden Geräuschen
und einem herrlich klingenden Tuuuuuuuuuuuuuuuut Tuuuuuuuuut.
Entlang
von Vorstadtsiedlungen, immer wieder mit Blick auf kleine Innenhöfe,
schmale Straßen, Wasserläufe und winkender Menschen geht die Reise.
Nicht verborgen bleibt uns auch die Armut, in der dort Menschen
leben. Behausungen der Müllsammler fallen uns ebenso auf, wie
heruntergekommene Fabrikgebäude und schlechte Straßenzustände.
Eben ganz anders, wie das glänzende Stadtzentrum. Die Fahrt endet am
Bahnhof Montevideo, unterhalb des Gebäudes der Telefongesellschaft.
Unser Blick fällt auf das ehemalige alte nicht mehr genutzte
Bahnhofgebäude, das 1897 eröffnet wurde. Die Busse warten auf uns
und so geht die Fahrt zurück zum Hafen. Schnell wechsle ich den Akku
meiner Kamera auf dem Schiff und wir nutzen die restliche Zeit für
den Besuch der Gedenkstätte des deutschen Panzerkreuzers "Admiral
Graf Spee",
der 1939 von der eigenen Mannschaft vor der Küste Uruguays selbst in
die Luft gesprengt wurde. Wie auf einer Infotafel zu lesen war,
durfte der Kreuzer nach einem Befehl der deutschen Seekriegsleitung
dem Gegner England nicht in die Hände fallen. Die Graf Spee lieferte
sich ein erbittertes Gefecht mit drei britischen Kreuzern und war,
schwer geschädigt, letztendlich in den neutralen Hafen von
Montevideo geflüchtet. Bis
heute ist das Wrack nicht geborgen, lediglich der Anker ist im
Hafenbereich an der Gedenkstätte zu besichtigen. Dieser Bereich im
Hafen ist nicht öffentlich zugänglich und so können eigentlich nur
die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe diese historische Stätte
besuchen.

Nach
so viel Geschichte besuchen wir noch einen sogenannten "Freßtempel",
die berühmte Markthalle von Montevideo. Schon von weitem riecht man
es und so langsam kommt Hunger auf. In der Halle selbst unzählige
kleine Grillstände, wo Würste, Schinken, Steaks und saftige Rinderfilets gebrutzelt werden. Also wenn wir schon hier sind, lassen
wir uns gerne überreden, ein Rinderlomo zu essen. Ehrlich, man muss
es probiert haben, zartrosa und butterweich, nur etwas gewürzt
lassen wir uns dieses Stück Rindfleisch schmecken und müssen uns
dann noch sputen, rechtzeitig an Bord zu sein. Die Cara legt um 16
Uhr ab und so bleibt uns noch ein letzter Blick zurück auf diese
wunderschöne Stadt am Rio de la Plata. Die Fahrrinne ist schmal und
so geht es ganz langsam vorwärts in Richtung Buenos Aires.

Wir
haben noch Zeit, unsere Koffer zu packen und uns frisch zu machen für
den letzten Abend an Bord. Im Calypso genießen wir die leckeren
Speisen, meine geliebten Hummerschwänze habe ich vermisst und auf
Nachfrage erfuhr ich, in Südamerika darf AIDA keine Krustentiere
einführen. Na ja, es gab dafür Kaviar zum satt werden.
Verschiedenen Sorte, dazu frische Kartoffelpuffer, Creme fraiche und
fein geschnittene Zwiebelchen. Als Nachtisch die Obstauswahl, eine
riesige Eisbombe und die glänzende Schokoladentorte mit den süßen
Marzipanpinguinen. Die Küche war wieder sehr kreativ gewesen, großes
Lob. Ein letztes Mal trafen wir uns mit den neugewonnenen
AIDA-Freunden zum Abschiedssekt, tauschten Adressen aus und packten
nach Mitternacht noch den Koffer fertig, damit er pünktlich um 1.30
Uhr vor der Kabinentür stehen konnte.

https://picasaweb.google.com/Aidafreundin/SudamerikaTour8122011?authkey=Gv1sRgCMz_i5fHx9zHZQ

Mittwoch, 9. Dezember, Buenos Aires/Argentinien

Wir
sind am Ausgangspunkt unser Reise vor fast zwei Wochen eingetroffen.
Das Wetter, einfach super. Sonnenschein und blauer Himmel, da fällt
es schon schwer, abzureisen. Nach einem schnellen Frühstück stehen
wir noch auf dem hinteren Deck und lassen unseren Blick schweifen,
über die Stadt, die wir leider nicht besichtigen konnten. Die wir
nur im Dunkeln bei unserer Anreise gesehen haben. Um 8 Uhr stehen wir
unten an der Gangway, schauen zur Cara rauf und denken "mach's gut,
du Kleine". Mit dem Bus geht es zum Terminal, Koffer einsammeln und
ab in Richtung Flughafen. Die Route führt durch die Stadt und so
können wir doch einen kleinen Eindruck bekommen, Bauwerke erkennen,
die sicher sehenswert sind und schon bald sind wir am Flughafen. Zeit
genug, noch einen Kaffee zu trinken; einen Weihnachtsbaum zu
fotografieren und dann heißt es schon, bitte anschnallen.

Der
Flug verlief ruhig und es gab eine Zwischenlandung in Salvador.
Sicher auch eine tolle Gegend, zumindest das, was ich von oben
gesehen habe. Pech hatten wir nur mit unserem Sitzplatz. Zwar
genügend Platz für die Füße, weil am Notausstieg, aber arktische
Zustände. An der Innenwand des Fliegers gefror über meinem Kopf das
Kondenswasser und an der Innenseite des Notausstiegs bildeten sich
langsam Eiskristalle. Zwei Decken, eine Steppjacke und eine
selbstgebastelte Mütze halfen mir, die Zeit des langen Fluges zu
überstehen. Meine Nase kalt, mein Mann mit meinem Schal um den Kopf,
träumten wir von einem warmen Ort, vielleicht Buenos Aires, wo wir
gerade herkamen? Wir sind gut zuhause angekommen - hatten
allerdings nach dem Flug beide eine ordentliche Erkältung. Aber all
die Dinge, die nicht so optimal gelaufen sind, haben die schöne
Erinnerung an die unvergessliche Zeit in Südamerika nicht schmälern
können.

https://picasaweb.google.com/Aidafreundin/SudamerikaTour9122011?authkey=Gv1sRgCPLWo7mqhOC0kAE

Ein
Traum ging für meinen Mann in Erfüllung, einmal das Kap Horn
umrunden. Ich freue mich für ihn und für mich war diese Reise
wieder einmal die Möglichkeit, die Welt durch die "Linse" zu
sehen und viele Eindrücke des fremden Kontinents mit nach Europa zu
nehmen. Danke AIDA, ohne Sie hätten wir diese Reise wohl nie gemacht
und wir hoffen, dass wir noch einige Ziele finden, die wir gerne
erkunden wollen.

Aber eine gelungene Reise ist wie ein gutes Essen
und ohne richtige Zutaten wird es nie munden und so hat der Kapitän
und die gesamte AIDA-Crew mit dazu beigetragen, dass die Reise viele
unvergessliche Momente beinhaltet. Wir haben interessante und
liebenswerte Menschen getroffen, viele nachhaltige Gespräche
geführt, neue Freundschaften geknüpft, Pannen überstanden, 2500
Fotos mitgebracht und einen Teil der Erinnerungen nun mit Euch, den
Lesern geteilt.

AIDA-sehen
...

Perlenfee und ihr Heinz, der unendlich viel Geduld aufgebracht hat, wenn ich fotografiere und meine Berichte schreibe.

Auch
hier wieder die Anmerkung: Schreibfehler bitte entschuldigen, aber es
gibt vor Weihnachten noch so viel zu tun :-)

Zielgebiet
Südamerika
Schiff
AIDAcara
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