
Zu diesem Zeitpunkt ergeben sich die besten Gelegenheiten die schönsten Fotos zu schießen. Kein Mensch läuft einem über den Weg, der die Bilder des verlassen wirkenden Schiffs stört. Es ist noch dunkel über der Stadt, die niemals schläft, doch der langsam einsetzende Sonnenaufgang über NY weckt nicht nur mich, sonder auch meine Vorfreude auf das, was heut noch kommen soll.
Auf dem Sonnendeck ist es glatt. Die Nacht war kalt und es hat gefroren. So schliddere ich mit meinen Sandalen, mit denen ich sonst auf dem Schiff unterwegs bin, auf der größten schwimmenden Eislaufbahn auf Deck 13 umher. Den Sonnenaufgang über New York möchte ich nicht verpassen, also warte ich bei immer noch eisigen Temperaturen, bis die Sonne so langsam über die Dächer, ach nee, eher hinter den Hochhäusern von NY vorkommt. Das sollten Sie auf keinen Fall verpassen. Es dauert schon eine Weile, ehe der Sonnenball zu sehen ist und die Stadt, langsam erwacht.
Heute wollen wir NY zu Fuß erkunden. Unser erstes Ziel ist wieder der Times Square, der jetzt am helllichten Tag bei weitem nicht so glänzend und blinkernd erscheint. Die Mülltüten, die wir gestern Abend auf unserem ersten Streifzug in die Stadt gesehen haben, sind nun alle verschwunden. Mich interessieren aber die architektonischen Besonderheiten der vielen Hochhäusern.
Hier trifft neu auf alt und es sieht auch echt gekonnt aus. Immer wieder bleibe ich stehen und versuche die Unmengen an Eindrücke die diese Stadt mir bietet in meiner Kamera zu verewigen. Was ich bis dahin nicht ahnen kann ist, dass ich am Ende des ersten Urlaubtages an die 500 Bilder schießen werden. Ein Dank an meinen Sohn, der das so geduldig ertragen muss.
Es stimmt tatsächlich, die Stadt kocht. Mir kam es am gestrigen Abend schon verdammt voll auf den Straßen und dem Gehweg vor, doch genauso lebendig ist sie auch jetzt wieder. Wir lassen uns vom Times Square in Richtung Empire States Building treiben und blicken ehrerbietig in die Höhe.
Macht schon was her, dieses riesige Gebäude. Vor dem Eingang zur Besucherplattform steht eine ca. 10 m lange Schlange von Menschen, die das Gebäude erklimmen wollen. Naja, die Warteschlange ist ja nicht allzu lang, denke ich und stell mich mit Vorfreude an. Was ich bis dahin nicht wusste ist, dass im Inneren des Gebäudes die Warteschlange noch so verzweigt, durch Führungsstricke geführt wird, dass wir ca. 60 Minuten anstehen müssen. Erstaunlicherweise bleiben wir nie stehen, es geht immer langsam vorwärts. Nach der einen Treppe kommt die nächste, dann eine Halle, ein Flur, ein Sicherheitsbereich usw., bis wir dann endlich an den vielen Kassen stehen. Schnell bezahlen wir die Karten und kommen… was glauben Sie… in den nächsten Wartebereich zu den Liften. In affenartiger Geschwindigkeit sind wir auf der Aussichtsplattform in der 86. Etage, die total überlaufen ist. Seltsamerweise ist es hier oben fast windstill.
Die Aussicht ist perfekt und mit Geduld und Freundlichkeit kommt man auch an die Gitter zum Hinab- und Hinaussehen ran. Schnell die wichtigsten Fotos geschossen und dann erst mal in Ruhe geschaut. Hier kann man schon so eine Stunde ohne weiteres verbringen. Der Ausblick von knapp 320 m Höhe über die Stadt ist grandios. JA!!! ICH BIN IN NEW YORK!
Der Abstieg geht schneller als der Aufstieg und so geht unser Großstadtabenteuer weiter. Ich will unbedingt bei Victoria's Secret hinein, dort, wo es die verführerischsten Düfte, Dessous und Kleinigkeiten für die Frau gibt. Dieser Wunsch wird mir auch gewährt und wir werden in diesem quirligen Kaufhaus gut fündig.
Unser nächstes Ziel soll der Battery Park an der Spitze von Manhattan sein. Um dort hin zu kommen, fahren wir mit der U-Bahn. Die Tickets für die U-Bahn sind schnell gekauft und auch die richtige Verbindung ist schnell gefunden. Die U-Bahn an sich ist so wie man es in Filmen immer sieht alt und voller Leute. Die Fahrt nach Down Town Manhattan dauert aber nur ein paar Minuten und schon sind wir am südlichsten Punkt in Lower Manhattan angelangt.
Von hieraus kann man die Freiheitsstatur sehen und mit den Fähren nach Staten oder nach Ellis Island hinausfahren. Wir haben uns noch so viel vorgenommen, deshalb verzichten wir auf die Fährenfahrt und genießen einfach die Sonne und den schönen Ausblick. Die NYér sind sehr freundlich, ich komme ins Gespräch mit einer Gruppe junger Frauen, die gerne fotografiert werden möchten. Trotz meiner wenigen Englischkenntnisse verstehen wir uns blendend. Ein Lächeln ist immer noch der beste Weg der Verständigung.
Vorbei an The Sphere - (ein Globus aus Bronze-Segmenten auf einem Stahlgerüst, der ursprünglich vor dem World Trade Center stand und am 11. September stark beschädigt wurde. Seitdem fungiert dieser als Denkmal für die Anschläge), wandern wir in Richtung Ground Zero.
Unser Weg führt uns am Haus No. 1 des Broadways vorbei und am goldenen Bullen, der an der Wall Street steht. Die Wall Street ist nicht wie ich es mir vorgestellt habe. Die Straße ist mehr eine Fußgängerzone und recht unspektakulär, im Gegensatz zu den Dingen, die da drinnen geschehen.
Überall sieht man aber Polizei. Das liegt nicht nur daran das wir im NY Financial Districts sind, sondern uns auch in der Nähe der bis dato immer noch im Zucotti Park zeltenden "occupy Wall Street" Demonstranten befinden.
Direkt daran stehen wir dann vor dem Ground Zero. Er ist mit einem hohen Zaun abgetrennt, rüber schauen- keine Chance. Doch was wir sehen sind rege Bauarbeiten. Auf dem Gelände wo einst die Zwillingstürme standen, soll 2013 das One World Trade Center feierlich als höchstes Gebäude der USA eingeweiht werden. Grandios!
Neben der riesigen Baustelle befindet sich auf dem Areal auch das im Sep. 2011 eingeweihte National September 11 Memorial and Museum, was sicherlich sehenswert , aber aufgrund verschärften Sicherheitskontrollen und hohen offiziellen Registrieraufwand für uns zeitlich nicht machbar war. Dennoch gelingt es uns, bei dem Weg durch das World Financial Center, einen Blick auf das Memorial zu werfen und einen Eindruck über die schier riesige Baustelle zu erhalten.
Wir haben aber noch andere Pläne und ziehen weiter, denn unsere Zeit in NY neigt sich so langsam dem Ende entgegen. Mit der U-Bahn soll es dann auch wieder in Richtung Midtown Manhattan gehen. Mit der Express Linie geht es sehr schnell wieder in Richtung Times Square, von wo aus wir ein letztes Mal durch die lebendigen Straßen des Großstadtdschungels bis zum Pier 90 laufen, wo die AIDA Luna wartet.
Die Zeit für uns in NY ist fast vorbei, es wird schon dunkel und wir müssen an Bord. Unser 1. Auslaufen der Reise soll gegen 18:00 Uhr sein, aber nichts passiert zu diesem Zeitpunkt. Im Gegenteil, der Kapitän spricht zu uns. Ein Flieger mit AIDA Gästen aus Berlin hat sich leider verspätet, wir müssen warten. Nachdem dann der Bus angekommen ist und die noch fehlenden Gäste eingecheckt sind, sichern wir uns an der AIDA Bar auf Deck 10 ein schönes Plätzchen, um die Ausfahrt aus NY zu erleben. Es ist schweinekalt und die Decken aus der Kabine sind jetzt Gold wert. Hätte ich mir doch bloß gestern die Mütze gekauft…, so müssen jetzt meine Ohrenschützer ausreichen.
Bei der Ausfahrt aus dem Hafen, strahlt NY in seinen schönsten Lichtern. Die Auslaufmelodie beginnt und ich bekomme nasse Augen vor Glücksgefühl. Geht es Ihnen auch so? Beim AIDA Auslaufmelodielied werde ich wehmütig. Ich kann es nicht verkneifen, es ist halt so. Meinen Sohn hatte ich im Vorfeld schon gewarnt, er ist so taktvoll und übersieht es netterweise.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Hudson Rivers beobachten wir in New Jersey einen Polizeieinsatz mit viel Blaulicht und Sirenen. Der Kapitän meldet sich wieder zu Wort und spielt Reiseführer. Er erzählt uns, was wir rechts und links vom Hudson River sehen und bedankt sich zu Schluss noch bei den zuspätgekommenen Urlaubern, denn so eine grandiose Ausfahrt aus NY hatte er auch noch nicht gehabt.
Wir fahren vorbei an der Freiheitsstatur, an Staten Island und an Brooklyn, bis die Lichter der Großstadt immer kleiner werden. Wir unterfahren noch die Verrazano-Narrows- Brücke und befinden uns bald auf dem Nord Atlantik, wo nun unsere große Reise los geht.
Der Bericht ist sehr ausführlich, aber glauben Sie mir, wer diese Reise gemacht hat, möchte es gerne erzählen.
Sollte der Report Ihnen zu lange sein, schauen Sie sich nur die Bilder an und versuchen zu träumen.
Fortsetzung folgt........