Canyoning!

von  Tanja Engel 30. September 2013 13:37
Canyoning!

Liebe AIDA Weblounge Leserinnen und Leser,


meine kurze Antwort auf die Überschrift des Blogs: Ja, Canyoning muss man einmal gemacht und erlebt haben!


Bevor uns das heiße Hochsommerwetter im Mittelmeer verlässt, habe ich mir noch ein Abenteuer besonderer Art vorgenommen. Ich muss gestehen: Ich hatte vor diesem Ausflug Respekt! Aber nachdem ich Woche für Woche in die glücklich-glänzenden Augen meiner Scouts schaute und mich Woche für Woche mit irgendwelchen Ausreden davor drückte, blieb mir nichts anderes übrig, als dann noch einmal mutig zu sein. Ein bisschen Abenteuer gehört doch zum Leben dazu und warum nicht mit Canyoning anfangen?! Aus diesem Grund hieß es für mich schließlich: Augen zu und los geht’s!


Cannes begrüßte uns an diesem Morgen mit einem etwas verschlafenen Lächeln und auch auf den vor uns liegenden Luxusyachten herrschte noch träumerische Ruhe. Mit Rucksack bepackt konnte es los gehen, doch schon der erste Kollege, der mir entgegenkam, begrüßte mich mit den Worten: „Willst Du dir nicht was Warmes anziehen? Heute wird es kalt“! Super! Mein ganzer morgendlicher Mut verflog innerhalb von Sekunden. Sollte ich mir das wirklich antun? Mich einen Fluss hinunter stürzen, wovor ich so oder so schon genug zitterte,  und jetzt auch noch frieren? Nun gut, bei ca. 25 Grad eher unwahrscheinlich, und da all meine anderen Kollegen mich mit einem aufmunternden Augenzwinkern und hochgestrecktem Daumen begrüßten, konnte ich die Mission Canyoning nicht mehr absagen. Und siehe da: Nach und nach drängten sogar auch ein paar glitzerne Sonnenstrahlen durch das Wolkengeflecht und begrüßten uns im Hafen der Côte d’Azur. Also, los ging’s zum Treffpunkt wo sich auch unsere Gäste nach und nach einfanden. Mit einer Gruppe von 18 Gästen, im Alter von 20 bis 50, tenderten wir dann von AIDAvita in Richtung Cannes.


 Los geht’s...


Auf der Pier empfing uns dann Tour Manager Nicole. Am Rande sei bemerkt: Nicole musste heute auch mitkommen, denn gemeinsam ist man stärker. Unter uns: Ich brauchte moralische Unterstützung... ;-)


Auf der Fahrt durch die wunderschöne Provence passierten wir idyllische Orte wie Grasse oder St. Paule de Vence – herrlich! Immer wieder gab es tolle Aussichten auf faszinierende Anwesen, die hügelige Landschaft oder Einheimische, die sich gerade ihrem Frühstück widmeten. Auch fuhren wir vorbei an der Parfümerie Fragonard, wo einer unserer Ausflüge hinführt. Hier hätte ich am liebsten für eine kurze Besichtigung angehalten, die Düfte alle durchprobiert und danach das ein oder andere Parfüm gekauft. Aber heute ging es zum Canyoning, nicht zum Shoppen! Nach ca. einer Stunde Fahrt, fast an der Quelle des Flusses angekommen, tat sich eine tiefe Schlucht unter uns auf und wir hörten das Wasser auf die einzelnen Gesteinsbrocken preschen. Da sollen wir rein? Warum bin ich heute nicht nach St. Tropez oder Monaco gefahren, kann mir das gerade nochmal jemand erklären? Ebenso fragende Gesichter bei meinen Mitreisenden und dann sahen die drei Guides, die uns freundlich begrüßten, auch noch so athletisch aus. Was sollte das nur werden? Korrekt! Ein einmaliges Erlebnis!


Jetzt fragen Sie sich vielleicht: Was ist dieses Canyoning eigentlich? Einfach gesagt, steigt man nur eine Schlucht hinab. Das „Absteigen“ kann jedoch in den verschiedensten Varianten durchgeführt werden. Klettern, Rutschen, Springen... alles ist erlaubt. Unser Ausflug beinhaltete auch wirklich alles. Klettern, Rutschen, Springen, Hüpfen, Tauchen, und eine ziemliche Portion Mut brauchte man ebenfalls – ich zumindest. Voller Tatendrang steckten uns unsere Guides dann erstmal in enganliegende Neoprananzüge.
 


Unser Equipment: Bereits hier eine große Herausforderung da rein zu kommen..
 


Noch lachen alle!


Voll umhüllt von wärmenden, wasserundurchlässigen Luftgummianzügen,  und zur Krönung einen Bergsteigerhelm auf dem Kopf und mit Popo-Schutz ausgerüstet, fühlte ich mich ein bisschen wie Dodo, aber trotzdem krackselten wir bergauf in Richtung Loup-Fluss.
 


Im Nu war es soweit und wir konnten die herrliche Kulisse der Schlucht sehen und genossen schon bald das erste Bad im glasklaren Bergwasser. Das war erfrischend! 

Los geht’s... Der erste Sprung!
Bei der ersten kleinen Stromschnelle wurden wir zu einem richtigen Team und überwanden den ersten großen Felsen und schlitterten entlang einer „Naturrutsche“. 


Haltungsnote: 1a


Dann schwammen und liefen wir wieder ein paar Meter durchs kühle Nass und wurden prompt aufgefordert den Guides unsere volle Aufmerksamkeit zu schenken. Es ging ans Springen und Tauchen. Beziehungsweise, wie in meinem Fall, zu einem kurzweiligen Untergluckern und wieder Aufatmen. Wichtig war die richtige, angespannte Haltung beim Springen!
 


Und noch wichtiger war es, beim Wiederauftauchen in die richtige Richtung zu schwimmen. Sagen Sie mal einer Frau, deren „wasserfeste“ Maskara sich gerade brennend in den Augen verteilt, dass sie nach links schwimmen soll! Als Team hielten wir aber weiter zusammen und so zogen wir uns alle gegenseitig in die richtige Richtung. So ging es dann zwei Stunden sehr abwechslungsreich flussabwärts. Immer wieder drückte uns das nachpreschende Wasser hinunter, die Strömung lies uns wiederaufsteigen, sodass wir sanft an den Felsen entlanggleiten konnten, bis wir zu unserem Endpunkt kamen. Zunächst lenkten die Guides wieder alle Blicke auf sich und einer nach dem anderen wollten wir uns diese letzte Herausforderung nicht nehmen lassen. Denn oben angekommen zeigten sie nur mit ihrem Finger auf einen Felsvorsprung. Wir Profis wussten mittlerweile, was das zu bedeuten hatte. Oje... Also auf geht’s zur nun bislang größten Herausforderung – 10 Meter freier Fall warteten auf jeden von uns. Der eine lies den freien Fall mit einer eleganten „...bombe“ enden, die anderen konzentrierten sich zum Teil einfach nur darauf, beim Absprung Anlauf zu nehmen.

 
Freier Fall...


Geschafft! Ich war so stolz! Aber was war jetzt los? Die Guides forderten uns noch einmal auf, eine letzte Herausforderung anzunehmen. Na gut, weil sie es waren, weil die Neoprenanzüge so eng saßen und weil die Tour bis jetzt eben einfach Spitze war. Nach so vielen Sprüngen, Rutschen und Abtauchen sollten wir jetzt noch einen Wasserfall hinunter springen. Reicht denn ein Felsvorsprung in ruhiges Wasser noch nicht? Muss es gleich ein Wasserfall sein? Aber die Teamdynamik ließ nichts Anderes zu und mit lauten Anfeuerungsrufen und einem noch lauteren Schrei stürzten wir uns dann ein letztes Mal in die Fluten!
 


Jetzt war ich richtig stolz! Auf mich und darauf, dass ich so viel Mut bewiesen hatte; auf meine Gruppe, die so grandios zusammen- und durchgehalten hat und überhaupt war alles in diesem Moment einfach wunderbar. Uns allen war das Lächeln nicht mehr zu nehmen!

Und hier wurde niemand zum Lächeln aufgefordert! ;-)


Die zurückgelegten Höhenmeter mussten nun noch einmal erklommen werden. So zogen wir uns erstmal den oberen Teil der festsitzenden Neoprenanzüge bis zu den Hüften hinunter und kamen uns vor wie Bergsteiger. Oben angekommen, konnten wir unser Glück immer noch kaum fassen. Der Mini-Van stand in Reichweite, jetzt raus aus dem enganliegenden Neoprenanzug und rein in unsere trockene, warme Kleidung.


Auf dem Rückweg wich die nervöse Spannung der Hinfahrt einem zufriedenen Lächeln. Der ein oder andere knurrende Magen war zu hören und nach ein paar Minuten döste fast jeder gemütlich vor sich hin. Der Stolz auf die eigene Leistung und auf die grandiose Gruppendynamik war bei diesem Ausflug übrigens auch am nächsten Tag noch zu spüren  – und selbst in unseren Beinen wurden Erinnerungen wach.


Zurück im Hafen, löste sich unsere Gruppe dann auf. Ein in Teil entschied sich, direkt an Bord zurück zu tendern, um dort die Kraftreserven bei einem ordentlichen Mittagessen wieder aufzufüllen. Der andere Teil, wie ich, nutzte noch den Nachmittag, um ein wenig durch Cannes zu bummeln. Hier gönnten wir uns noch einen Crêpe (mit viel Schokolade) und einen Café au lait. Das Leben kann so schön sein!


Die Worte eines Gastes an diesem Tag gingen mir noch eine ganze Weile durch den Kopf:  „Meist geht mehr, als man sich zutraut. Man muss nur seine Komfortzone verlassen und auch mal etwas wagen.“


In diesem Sinne: Trauen Sie sich, seien Sie mutig – es wird sich lohnen!


Viele Grüße


Ihre
Tanja Engel

Trotz des Super interessanten Berichts würde ich mich das niemals trauen.
Hut ab!

von maxmara am 17. Oktober 2013 um 23:34 Uhr

Respekt! Das habe ich auch vor kurzem gemacht. Allerdings mussten wir hauptsächlich rutschen und uns abseilen. Und am Ende gab es sogar eine kleine Taufe, d.h. wir wurden nacheinander vom Guide im Wasserloch kurz untergetaucht :-)

von Chocoholic am 16. Oktober 2013 um 16:15 Uhr

Schöner und interessanter Bericht von einer nicht alltäglichen Tour!

von Gaby-05 am 01. Oktober 2013 um 11:14 Uhr

Top! Klasse Bericht :)

von Jessi3012 am 01. Oktober 2013 um 08:12 Uhr

Das hört sich ja richtig spannend an. Ein toller Bericht! Ich hätte richtig Lust, das auch zu machen. Da sieht man mal, was man alles kann, wenn man den inneren Schweinehund alleine auf dem Sofa sitzen lässt!

von Karatekid2503 am 30. September 2013 um 20:26 Uhr

Die AIDA Community

Alle user