Wir möchten gerne unsere diesmalige Erfahrung mit AIDA teilen. Sicherlich werden wir auch kritische Stimmen dafür ernten, dabei wünschen wir uns jedoch, dass die Kritik nicht überheblich oder anfeindend geäußert wird.  Es handelt sich eventuell an manchen Stellen in den Augen anderer um ein rein subjektives Empfinden, wobei wir einige Mitreisende getroffen haben, die unsere Erfahrungen teilten, ohne dass wir die Themen in unseren Gesprächen initiiert haben.
 
In der Zeit vom 09.06.2015 – 19.06.2015 nahmen meine Frau und unsere gemeinsame Tochter an der Route Nordeuropa 3 auf der AIDAsol teil. Nach 8,5 Jahren sollte es also erstmalig  AIDA mit Kind sein. Kinderlos waren wir damals letzmalig auf der AIDAaura unterwegs und mit allem immer äußerst zufrieden.
 
Die Anreise erfolgte individuell und bereits am Tag zuvor. Wir hatten ein Park, Sleep und Cruise Paket im Hotel Mercure Hamburg City für insgesamt 170,- € gebucht (Übernachtung mit Frühstück, Tiefgaragenstellplatz im Hotel für die Dauer der Kreuzfahrt und kostenloser Taxitransfer vom Hotel zum Hafen und zurück). Absolut empfehlenswert, entspannte Anreise, guter Auftakt, Hotel auch gut.
 
Am 09.06.2015 ging es dann endlich los mit der wunderschönen Ausfahrt aus Hafencity entlang der Elbe bei gutem Wetter. Die nun folgenden zehn Tage entlang der norwegischen Küste und zurück boten auch Licht, genauso wie Schatten.
 
Dabei gehe ich nun nicht auf das Wetter ein. Dahingehend waren wir komplett zufrieden, da uns auch bewusst war, dass in Norwegen kein „Coco-Loco-Pool-Beach-Sonnenbrand“-Wetter wartet. Auch die einzelnen Stationen bleiben unberücksichtigt, denn bis auf Molde fanden wir jeden Anlaufpunkt sehenswert. Natürlich haben dabei der Geirangerfjord und insbesondere der Eidfjord eine besonders exponierte Stellung auf der Highlight-Liste. Aber auch Bergen, Trondheim und Stavanger sind absolut sehenswert. Norwegen ist ein tolles Land mit freundlichen, entspannten und hilfsbereiten Einheimischen. Toll!
 
Vielmehr geht es mir um das Erlebnis AIDA.
 
Eine wichtige Feedbackregel lautet, dass mit positiven Dingen begonnen werden sollte. Davon gibt es auch genug Punkte. Lobenswert mit Sternchen waren:
 
  • Freundlichkeit, Fröhlichkeit, Herzlichkeit und Fleiß der Servicemitarbeiter in den Restaurants und unseres Roomboys Emmanuele, insbesondere im Hinblick auf die Härte und Stress dieser Jobs
  • Shows und Auftritte der AIDA-Stars, insbesondere die eigens choreographierte Show „Fata Morgana“ war äußerst imposant
  • Die Biking-Ausflüge mit sehr guten und authentischen Guides
  • Generelle Sauberkeit auf dem Schiff / auf der Kabine
  • Check In war schnell und reibungslos ohne lange Wartezeit 
Zusätzlich sind uns 50 Prozent des Kids-Club Betreuerteams positiv in Erinnerung geblieben. Bei Landgängen arbeiteten die Securitymitarbeiter zügig, es kam fast nie zu Wartezeiten. In der Regel sind die Mitarbeiter aller Teams freundlich, wobei es in seltenen Fällen eher professionell denn authentisch wirkt. Animationsspiele auf dem Schiff haben wir nicht in Anspruch genommen und können dies nicht beurteilen.
 
Das 4D-Kino war während der ganzen Reise defekt, eine Sauna wurde länger repariert. Das sind Dinge, die einfach mal passieren und tangieren unsere Bewertung daher nicht.
 
Sie als Leser werden sich nun bestimmt fragen: „Da fehlt doch was!“ Richtig! Das Wichtigste kommt zum Schluss: Das Essen!
 
Und hier kommt auch unsere Hauptkritik. Nicht am Essen selbst. Dieses ist weiterhin vollkommen in Ordnung, insbesondere hinsichtlich der Mengen, welche einfach Tag für Tag bereitgehalten werden. Eine logistische Meisterleistung.
 
Nein.
 
Die Essensumstände in den Buffetrestaurants waren in unseren Augen eine Katastrophe und haben diesem Urlaub eine veritable Delle verpasst.  Denn alles lief unter dem Motto: Zu voll, zu hektisch, zu laut, zu durcheinander, zu stressig und zu unhöflich. Alles produziert durch die Passagiere. Evolutionstechnisch mag es ja in Ordnung sein, dass Raubtiere um Nahrung kämpfen und versuchen, die Spitze der Nahrungskette zu sein. Nur wusste ich nicht, dass der AIDA-Tourist zu den Raubtieren gehört. Ich denke auch nicht, dass bisher irgendein Passagier auf einem AIDA-Schiff verhungert ist. Nur leider implementierte das Verhalten einer Vielzahl an Mitreisenden bestimmte Leitmotive: „Fressen oder gefressen werden“ oder „Erst das Fressen, dann die Moral“.
 
Insbesondere eine Spezies tat sich dabei hervor. Es handelte sich dabei in der Regel um  Personen einer Gruppe, die ich alterstechnisch auf über 60 bis unter 80 Jahren klassifizieren würde. Sei es, schon um 17.45 Uhr die Wege zu den Restaurants durch Schlange stehen zu blockieren, vordrängeln, meckern, motzen und sogar Väter / Mütter mit Kind auf dem Arm wegzuschubsen, nur um an die Futtertröge zu kommen.  Keine Einzelfälle. Vielfach wurden eigentlich ins Reich der Fabeln verwiesene Vorurteile über den deutschen Touristen erstaunlicherweise bestätigt.  Schade, denn den Stab über eine bestimmte Personengruppe wollen wir definitv nicht brechen.
 
Ich nehme auch gleich vorweg, dass der California Grill, das Brauhaus essenstechnisch keine (dauerhafte) Alternative für uns darstellten. Ebenso in den A-La-Carte Restaurants gegen zusätzliche Kosten zu speisen.
 
Wir können nur sagen, dass es auch einfach keinen Spaß macht, egal zu welcher Essenszeit, permanent freie Plätze zu suchen. Bei dieser Suche als Bonbon dann manchmal vorurteilsbehaftete Blicke zu ernten, die ausdrücken: „Oh Gott, Eltern mit Kind. Hoffentlich wollen die nicht hier an dem Tisch sitzen!“.  Nein. Das ist einfach keine Atmosphäre in der wir gemeinsam Essen möchten.
 
Statistisch sind mit Sicherheit genug Plätze vorhanden, nur scheitert die theoretische Mathematik am Verhalten der Passagiere. Zum Beispiel an Personengruppen, welche die Buffetrestaurants nicht zum Speisen aufsuchen, sondern um stundenlang kostenlos dem Getränkekonsum zu frönen.
 
Persönlich hatten wir vorher keine Bedenken, dass die Altersstruktur routenbedingt vor den Ferien durchaus höher sein könnte und beurteilten dies für manche Aspekte sogar positiv, da unsere Erfahrungen mit der älteren Generation eigentlich positiv besetzt sind. Wir haben auch gute Erfahrungen mit anderen Passagieren gemacht und freundliche Menschen kennengelernt, nur waren die oben genannten schlechten Erfahrungen sehr prägend.
 
Es herrschte teilweise eine Umgangsform, die uns persönlich als harmoniefreundliche Menschen äußerst befremdet hat. Ich könnte dabei weiter in Details gehen, nur will ich nun auch nicht Ihre Geduld überstrapazieren. Wer konkrete Fragen hat, kann sie mir gerne per Nachricht stellen.
 
Vielleicht ist dieses Erlebnis am Ende aber nur die Konsequenz aus einer zunehmenden Profitgier der Reederei. Wenn man nämlich die zulässigen Passagierzahlen der Schiffe AIDAaura/vita mit denen der neuere Generation ins Verhältnis mit der Anzahl der Buffetrestaurants setzt, entdeckt man unseres Erachtens ein Missverhältnis, was zu solchen Zuständen führen kann.
 
Die Profitgier erkennt man ja zusätzlich daran, zu welchen Preisen (Fahrradtouren ausgenommen) die Ausflüge seitens AIDA angeboten werden. Horrende Preise, wenn man teilweise identische Touren und Ausflüge direkt beim lokalen Anbieter zu deutlich günstigeren Konditionen buchen kann. Der Unterschied ist erschreckend und aufgrund der Marktmacht von AIDA Cruises kann sich jeder sein Bild machen, wie hoch der Provisionsanteil der Reederei ist. Traurig ist es dabei sogar, wenn der lokale Anbieter für Kinder bis 3 Jahren keinen Preis verlangt, AIDA selbst aber für Kinder nicht unwesentliche Preise für diese Ausflüge aufruft.
 
Als Fazit bleibt für uns einfach haften, dass wir vorerst AIDA-gesättigt sind und in der nächsten Zeit bzw. den nächsten Urlauben keine weitere Kreuzfahrt mit AIDA Cruises planen. Schade. Eigentlich wollten wir 2016 mit den Großeltern an Bord gehen. Die Umstände schrecken uns nun eher ab. Die Überlegung beim Thema Kreuzfahrt geht nun eher dahin, den Anbieter TUI Cruises zu testen, da wir mittlerweile vermehrt aus unserem Umfeld erfahren haben, dass die aufgeführten Kritikpunkte hinsichtlich der Essensumstände in dieser Form nicht vorkommen.
 
Zum Schluss möchten wir gerne noch AIDA Cruises Anregungen mit auf den Weg geben:
 
  • Gekennzeichnete Familientische in den Buffetrestaurants für Eltern mit Kindern
  • Möglichkeit der Nutzung des Mal-und Bastelraums des Kids-Clubs außerhalb der Betreuungszeiten
 
 
Glückauf!
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